Das Kunsthaus Zürich eröffnet das Ausstellungsjahr 2026 mit einem Programm, das die Vielfalt der Kunst in all ihren Facetten feiert. Zwischen klassischer Meisterschaft und zeitgenössischer Provokation entsteht ein Spannungsfeld, das den Besucherinnen und Besuchern neue Perspektiven eröffnet. Direktorin Ann Demeester beschreibt den Geist des Hauses programmatisch: „Wir wollen Menschen mit Kunst bewegen – durch Vielfalt, Wandel und Offenheit.“
Unter dem Motto „We continue to change“, nach dem farbintensiven Werk des US-Künstlers Jeffrey Gibson im Foyer des Chipperfield-Baus, setzt das Kunsthaus 2026 auf Dialoge der Kontraste: leise und laut, kontemplativ und kämpferisch, traditionell und radikal neu.

Kerry James Marshall – The Histories
Kerry James Marshall, einer der bedeutendsten Maler der Gegenwart, bringt Farbe und politische Tiefe auf die Leinwand. Seine monumentalen Gemälde erzählen von der Geschichte und Identität der afroamerikanischen Gemeinschaft – mit einem unverkennbaren Sinn für Schönheit, Würde und Widerstand. Unterstützt von Swiss Re, widmet sich die Ausstellung dem Ringen um Sichtbarkeit, Repräsentation und Selbstbestimmung in einer von weißen Erzählungen dominierten Kunstgeschichte.
27. Februar bis 16. August 2026

Kerry James Marshall, Untitled (Studio), 2014, The Metropolitan Museum of Art, New York. Purchase, The Jacques and Natasha Gelman Foundation Gift, Acquisitions Fund and The Metropolitan Museum of Art Multicultural Audience Development Initiative Gift, 2015. © Kerry James Marshall. Foto: Matthew Hollow. Image courtesy the artist and David Zwirner, London

Kerry James Marshall, Untitled (Studio), 2014, The Metropolitan Museum of Art, New York. Purchase, The Jacques and Natasha Gelman Foundation Gift, Acquisitions Fund and The Metropolitan Museum of Art Multicultural Audience Development Initiative Gift, 2015. © Kerry James Marshall. Foto: Matthew Hollow. Image courtesy the artist and David Zwirner, London

Félicien Rops – Laboratorium der Lüste
Der belgische Symbolist Félicien Rops war ein Provokateur seiner Zeit. Seine erotisch aufgeladenen, oft verstörenden Darstellungen sind Spiegel einer Epoche zwischen bürgerlicher Doppelmoral und beginnender Moderne. Das Kunsthaus zeigt, wie Rops’ Zeichnungen und Radierungen nicht nur Tabus brechen, sondern auch Geschlechterbilder und Machtstrukturen sezierend offenlegen – ein sinnlich-intellektuelles Vergnügen zwischen Dekadenz und Gesellschaftskritik.
6. März bis 31. Mai 2026

Marisol – Zwischen Pop Art und Poesie
Mit der ersten großen Retrospektive in Europa würdigt das Kunsthaus Zürich die französisch-venezolanische Künstlerin Marisol. Ihre Skulpturen und Assemblagen bewegen sich zwischen Pop Art, Dada und indigener Bildwelt. Mit Ironie und Schärfe beleuchtet sie Fragen nach Identität, Konsum und weiblicher Selbstbestimmung. Marisols Selbstporträts sind Masken und Enthüllung zugleich – ein faszinierendes Spiel aus Distanz und Nähe, das die Konventionen des Kunstbetriebs sprengt.
17. April bis 23. August 2026

Marisol, La visita, 1964, Museum Ludwig, Köln, © 2025, ProLitteris, Zurich, Foto: Historisches Archiv der Stadt Köln mit Rheinischem Bildarchiv, Britta Schlier

Marisol, La visita, 1964, Museum Ludwig, Köln, © 2025, ProLitteris, Zurich, Foto: Historisches Archiv der Stadt Köln mit Rheinischem Bildarchiv, Britta Schlier

Vilhelm Hammershøi – Maler des stillen Klangs
Kaum ein Künstler hat die Melancholie so subtil eingefangen wie der Däne Vilhelm Hammershøi. Seine Interieurs, durchflutet von fahlem Licht und stiller Poesie, sind Meditationen über Einsamkeit und Zeit. Das Kunsthaus widmet dem „Vermeer des Nordens“ eine große Schau, die die zeitlose Schönheit der Stille feiert – als Gegenpol zur Unruhe unserer Gegenwart.
3. Juli bis 25. Oktober 2026

Maria Lassnig & Edvard Munch – Malfluss = Lebensfluss
Eine Begegnung zweier Giganten der Selbstbefragung: Maria Lassnig und Edvard Munch. Beide erforschten das Spannungsfeld zwischen Innenwelt und Außenbild, Körper und Emotion, Farbe und Gefühl. Diese Ausstellung, unterstützt von UBS, lässt die expressive Kraft ihrer Malerei zu einem Dialog der Empfindsamkeit werden – ein visuelles Psychogramm über Verletzlichkeit, Selbstbehauptung und künstlerische Freiheit.
2. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027

ReCollect! und die Sammlung – Kontinuität im Wandel
Die Sammlung bleibt das pulsierende Zentrum des Kunsthauses. 2026 steht sie im Zeichen des Doppeljubiläums von Alberto Giacometti: 125. Geburtstag und 60. Todestag. Neue Präsentationen zeigen die berühmten Figuren im Dialog mit Werken von Fra Angelico bis Rothko. Parallel dazu setzt Wolfgang Laib mit seinen kontemplativen Installationen poetische Akzente – leise, duftend, fast unsichtbar.

Auch die partizipative Reihe „Kunst für alle“ öffnet erneut Räume für Begegnung: etwa mit Monster Chetwynds monumentaler Skulptur Zardoz, die als ironischer Denkraum zwischen Fantasie und Philosophie steht, oder mit Jeffrey Gibsons farbenprächtiger Installation, die Vielfalt als Stärke feiert.

Ein Haus in Bewegung
Das Jahresprogramm 2026 zeigt das Kunsthaus Zürich als offenen, vielstimmigen Ort der Kunst. Hier trifft Klassik auf Gegenwart, Reflexion auf Rebellion – und in jedem Werk spiegelt sich das zentrale Motiv des Jahres: Veränderung.
Oder, wie Ann Demeester es formuliert: „Wir wollen, dass Kunst überrascht, bewegt, tröstet und irritiert – manchmal alles zugleich.“

www.kunsthaus.ch

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