Wie fühlt sich Heimat im 21. Jahrhundert an – und wo beginnt sie überhaupt? Mit der Ausstellung „Tell Me Where Home Is“ widmet sich das Kunstmuseum Wolfsburg einer der drängendsten Fragen unserer Zeit: dem Wandel von Zugehörigkeit in einer Welt, die von Migration, Digitalisierung und globaler Vernetzung geprägt ist.

Heimat ist längst kein eindeutig verortbarer Begriff mehr. Sie entsteht und verändert sich in Bewegung – zwischen Ländern, Lebensentwürfen und Identitäten. Für viele Menschen ist sie nicht mehr nur geografischer Ursprung, sondern ein Geflecht aus Erinnerungen, Beziehungen, Sprache, Kultur und zunehmend auch digitalen Räumen. Zwischen Kindheitserinnerungen, familiären Wurzeln und virtuellen Communities entfaltet sich ein vielschichtiges Verständnis von „Zuhause“, das ebenso fragil wie wandelbar ist.

Tracey Snelling, One Thousand Shacks, 2016, Mixed Media Installation mit Video, 475 x 310 x 40 cm, Ausstellungsansicht, Räume hautnah, 2024, Courtesy die Künstlerin, © Draiflessen Collection, Mettingen, Foto: Henning Rogge

Tracey Snelling, One Thousand Shacks, 2016, Mixed Media Installation mit Video, Ausstellungsansicht, Räume hautnah, 2024, Courtesy die Künstlerin, © Draiflessen Collection, Mettingen, Foto: Henning Rogge

Die Ausstellung greift diese Entwicklungen auf und stellt zentrale Fragen neu: Kann es im Zeitalter globaler Mobilität überhaupt noch eine feste Heimat geben? Oder entstehen vielmehr viele kleine, parallele Heimaten, die sich ständig neu zusammensetzen? In der Kunst des 21. Jahrhunderts finden sich darauf keine einfachen Antworten, aber eindringliche Annäherungen.
„Tell Me Where Home Is“ versammelt internationale künstlerische Positionen, die Migration, Identität und Zugehörigkeit aus unterschiedlichsten Perspektiven beleuchten. Häuser, Städte und Landschaften erscheinen ebenso als Träger von Erinnerung wie Musik, Sprache oder Essen. Auch soziale Netzwerke und digitale Plattformen werden als neue Orte des Dazugehörens sichtbar – Räume, in denen sich Gemeinschaft ebenso schnell bildet wie wieder auflöst.
Gerade in dieser Vielstimmigkeit liegt die Stärke der Ausstellung: Sie zeigt Heimat nicht als statischen Zustand, sondern als Prozess – als etwas, das entsteht, verschwindet und sich immer wieder neu zusammensetzt. Künstlerische Arbeiten machen diese Dynamiken sichtbar und eröffnen emotionale wie gesellschaftliche Zugänge zu einem Thema, das persönlicher kaum sein könnte und zugleich globaler nicht gedacht werden kann.
Mit diesem Ansatz versteht sich das Kunstmuseum Wolfsburg nicht nur als Ausstellungsort, sondern als Plattform für Dialog und Reflexion. Kunst wird hier zum Medium, das Unsicherheiten nicht glättet, sondern produktiv macht – und neue Perspektiven auf das Zusammenleben in einer sich verändernden Welt eröffnet.
„Tell Me Where Home Is“ ist damit weniger eine Antwort als eine Einladung: hinzusehen, zuzuhören und die eigene Vorstellung von Heimat zu hinterfragen.
19. September 2026  bis  17.  Januar 2027
www.kunstmuseum.de

Cristina de Middel, Hierve el Agua are petrified waterfalls and sulfuric spring source located in the state of Oaxaca. Despite the growing affluence of tourists, it remains a sacred place for natives. Mexico, 2019 © Cristina De Middel/Magnum Photos

Cristina de Middel, Hierve el Agua are petrified waterfalls and sulfuric spring source located in the state of Oaxaca. Despite the growing affluence of tourists, it remains a sacred place for natives. Mexico, 2019 © Cristina De Middel/Magnum Photos