Mit dem Projekt Leerstellen Sichtbarmachen erinnert das Museum der bildenden Künste Leipzig an vergessene jüdische Familien und Sammler, deren Leben und Wirken im Nationalsozialismus ausgelöscht wurde.
Seit dem 19. Jahrhundert prägten jüdische Leipziger Bürgerinnen mit ihrem gesellschaftlichen und kulturellen Engagement auch das MdbK. Unter dem Nationalsozialismus wurden sie entrechtet, verfolgt, vertrieben und ermordet, ihr Beitrag geriet in Vergessenheit. Das Museum hat sich deshalb gemeinsam mit der Künstlerin Shlomit Lehavi und der Publizistin Sharon Adler auf Spurensuche begeben, um Namen und Geschichten dieser Akteurinnen zurück ins öffentliche Bewusstsein zu holen.
In einem mehrjährigen Projekt wurden Biografien von 28 Personen und Familien recherchiert. Im Zentrum stehen Wilhelm Breslauer, Hermann und Toni Halberstam, Cläre Kirstein, Moritz Kraemer und Laura Sonntag, deren Leben und Engagement exemplarisch für das kulturelle Wirken jüdischer Leipziger Familien stehen. Als künstlerische Intervention schuf Shlomit Lehavi die Installation Leerstellen Sichtbarmachen. Sie steht dem Stiftermosaik im Foyer des Museums gegenüber und erweitert dieses um die Perspektive der jüdischen Mäzene. Digitale Zeichnungen auf einem transparenten Bildschirm schaffen einen neuen Erinnerungsort, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet.
Begleitend können die rekonstruierten Biografien vor Ort und online als Text und Audio erlebt werden. So leiht Sharon Adler den vergessenen Leipziger Familien ihre Stimme und macht ihre Geschichten wieder hörbar. Das Projekt rückt ins Bewusstsein, dass die jüdischen Bürger*innen Leipzigs einst ein unverzichtbarer Teil des kulturellen Lebens waren – und dass ihr Fehlen bis heute spürbare Leerstellen hinterlässt.
30. Oktober 2025 bis 28. Juni 2026






