Mit der Ausstellung He Toi Ora. Beseelte Kunst der Māori lädt das Museum Fünf Kontinente München vom 17. Oktober 2025 bis 10. Mai 2026 zu einer außergewöhnlichen Begegnung ein. Die Schau eröffnet nicht nur den Blick auf 80 beeindruckende Werke der Māori-Kultur, sondern stellt zugleich Fragen nach Herkunft, Erinnerung und Verantwortung.
Im Verständnis der Māori ist Kunst nie nur materiell, sondern immer auch spirituell. Schnitzwerke, Schmuckstücke oder Waffen tragen eine Verbindung zu den Ahnen in sich, sind beseelt und in der Gegenwart lebendig. He Toi Ora – „eine lebendige Kunst“ – bedeutet deshalb auch, diese Verbindungen wieder sichtbar und erfahrbar zu machen.
Doch wie lässt sich heute klären, aus welchen Iwi (tribalen Gruppen) die im Münchner Museum bewahrten Werke stammen? Die Spurensuche erweist sich als komplex: Fast alle Objekte gelangten zwischen 1825 und 1914 über London nach München – oft ohne präzise Angaben zu ihrer Herkunft. Mit detektivischem Gespür nähert sich die Ausstellung diesen Fragen: historische Dokumente, Fotos der Vorbesitzer, die Beweggründe des Sammelns, Analysen der verwendeten Hölzer sowie die Interpretation der kunstvollen Schnitzmotive eröffnen Puzzleteile eines größeren Ganzen.

Pfostenfigur Tāwhaki, Toatoa-Holz, Höhe 168 cm, ca. 1880, Kauf von Ludwig Bretschneider, 1965, © Museum Fünf Kontinente. Foto: Nicolai Kästner
Zentral ist dabei die Zusammenarbeit mit indigenen Expertinnen und Experten. In enger Kooperation erarbeiteten die Ozeanien-Kuratorin des Hauses und David Jones vom Iwi Rongowhakaata die Ausstellung. Diese Verbindung von wissenschaftlicher Recherche und traditionellem Wissen prägt das Konzept: Besucherinnen und Besucher können selbst an Mikroskopen Schnitzmuster erforschen und gleichzeitig Einblicke in die Māori-Philosophie gewinnen.
Die Ausstellung zeigt die Vielfalt der Māori-Kunst: kunstvoll verzierte Schmuckkästen für Personen von Rang, Preziosen aus Grünstein, feine Capes, Waffen und Alltagsgegenstände, ebenso wie Figuren mit symbolträchtigen Tätowierungen. Besonders berührend ist die Geschichte der Pfostenfigur Tāwhaki. Sie konnte eindeutig einem Versammlungshaus nahe Gisborne zugeordnet werden und führt den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart beispielhaft vor Augen. Der letzte Raum der Ausstellung ist daher dem Ahnen Tāwhaki und dem Iwi Rongowhakaata gewidmet – mit Filmen, Interviews, einer Fotoinstallation und zeitgenössischen Māori-Kunstwerken, die die lebendige Beziehung zu den Objekten verdeutlichen.
He Toi Ora macht spürbar, dass Māori-Kunst nicht in der Vergangenheit verharrt, sondern Teil eines fortdauernden kulturellen Gesprächs ist – beseelt, verbindend und lebendig.
17. Oktober 2025 bis 10. Mai 2026
www.museum-fuenf-kontinente.de






