Mit Anno Schreiers „Turing“ bringt das Theater Bonn im Januar 2027 eine außergewöhnliche zeitgenössische Oper über einen der bedeutendsten Mathematiker des 20. Jahrhunderts auf die Bühne. Im Zentrum steht Alan Turing – Wegbereiter des modernen Computers, Codeknacker im Zweiten Weltkrieg und ein Mann, dessen außergewöhnlichen Leistungen eine Gesellschaft gegenüberstand, die ihn wegen seiner Homosexualität verfolgte.
Turing gehört zu jenen Menschen, deren Arbeit die moderne Welt entscheidend geprägt hat. Während des Zweiten Weltkriegs war er maßgeblich an der Entschlüsselung deutscher Funksprüche beteiligt. Seine mathematischen Überlegungen legten zugleich wichtige Grundlagen für die Entwicklung des Computers und später für die Beschäftigung mit künstlicher Intelligenz.
Anno Schreiers Oper erzählt Turings Leben allerdings nicht als klassische Biografie. Das Libretto von Georg Holzer basiert zwar auf historischen Quellen, nähert sich seinem Protagonisten aber freier und führt mit Madame KI eine fiktive Figur ein. Sie wird zu jener Person, die Turing intellektuell auf Augenhöhe begegnen kann – und zugleich zur Verkörperung seiner vielleicht größten Leidenschaft: der Wissenschaft.
Damit verbindet die Oper historische Ereignisse mit einer überraschend aktuellen Frage. Würde ausgerechnet Alan Turing, nach dem der berühmte Turing-Test benannt wurde, heute selbst einen solchen Test gegen eine künstliche Intelligenz bestehen?
Gleichzeitig erzählt das Werk von dem dramatischen Gegensatz zwischen Turings Leistungen und seiner Behandlung durch die Gesellschaft. Der Mann, der wesentlich zur Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands beigetragen hatte, wurde später aufgrund seiner Homosexualität strafrechtlich verfolgt.
Musikalisch bewegt sich Anno Schreier zwischen Oper und Musical und greift unterschiedliche Traditionen der 1940er- und 1950er-Jahre auf. Die Produktion stammt vom Staatstheater Nürnberg und wird in Bonn von Jens-Daniel Herzog inszeniert. Die musikalische Leitung übernimmt Daniel Johannes Mayr, Bühne und Kostüme stammen von Mathis Neidhardt und Sibylle Gädeke.
Valerie Haunz ist als Madame KI zu erleben, Mariya Vasilevskaya singt Joan und Charlotte Quadt Mrs Turing. Gemeinsam mit Chor, Statisterie und Beethoven Orchester Bonn entsteht so ein Musiktheaterabend über ein außergewöhnliches Genie – und über eine Gesellschaft, die von seinen Erkenntnissen profitierte, ihm selbst aber keinen Platz zugestand.
Premiere 24. Januar
weitere Aufführungen: 30. Januar, 14., 19. und 28. Februar sowie 13. und 20. März 2027

