Die Völklinger Hütte öffnet ihre Tore für eine Ausstellung, die uns in die unsichtbare Welt hinter den Oberflächen führt: „X-RAY. Die Macht des Röntgenblicks“ ist die erste umfassende Schau, die den Blick hinter das Offensichtliche in all seinen Facetten beleuchtet – von der Physik über die Medizin bis hin zu Kunst, Kultur und Literatur. Seit Wilhelm Conrad Röntgen am 8. November 1895 die nach ihm benannten Strahlen entdeckte, eröffnete sich eine neue Dimension der Wahrnehmung: ein Blick, der durch Materie dringt, das Verborgene sichtbar macht und die Grenzen zwischen Innen und Außen, zwischen Realität und Vorstellung verschiebt.
Röntgens bahnbrechende Entdeckung verbreitete sich in Windeseile über die ganze Welt. Sonderdrucke in fünf Sprachen ermöglichten Physikern und Laien gleichermaßen, seine Experimente zu wiederholen. Seine Entscheidung, auf Patente zu verzichten, beschleunigte die weltweite Verbreitung und machte ihn bereits ein Jahr später zum ersten Nobelpreisträger für Physik. Schon früh wurde klar, dass die Röntgenstrahlen nicht nur ein physikalisches Phänomen waren, sondern kulturelle, künstlerische und philosophische Implikationen hatten: Vom „Gläsernen Menschen“ der 1920er Jahre über medizinische Lehrmodelle bis hin zu Röntgenbildern in Mode, Werbung und Literatur – die Strahlen veränderten die Art, wie wir die Welt sehen.

John Heartfield, Adolf, der Übermensch: Schluckt Gold und redet Blech, 1932 © The Heartfield Community of Heirs / VG Bild-Kunst, Bonn 2025
Die Ausstellung entfaltet sich chronologisch und thematisch: Beginnend bei den frühen Laboraufbauten Röntgens, den ersten Versuchen in Film und Fotografie und der Populärkultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts, reicht der Blick über die Rolle der Radiologie im Ersten Weltkrieg bis hin zu künstlerischen Adaptionen im 20. und 21. Jahrhundert. Ikonische Positionen von Meret Oppenheim über Wim Delvoye bis hin zu zeitgenössischen Künstler:innen zeigen, wie das Medium Röntgen den Blick auf Identität, Tod, Vergänglichkeit und die unsichtbaren Strukturen unseres Alltags verändert hat. Totenschädel, Skelette und der „Gläserne Mensch“ treten als Spiegel der menschlichen Existenz in Erscheinung, während digitale Installationen, Glasfensterprojekte und interaktive Röntgenmodifikationen die kreativen Möglichkeiten der Strahlen in die Gegenwart führen.

Das energiereiche Universum, gesehen mit dem Röntgenteleskop eROSITA © Jeremy Sanders, Hermann Brunner and the eSASS team (MPE); Eugene Churazov, Marat Gilfanov (on behalf of IKI)
Neben künstlerischen Positionen werden auch die wissenschaftlichen Anwendungen greifbar: von historischen Pedoskopen zur Schuhgrößenbestimmung über moderne Röntgen-Satelliten wie eROSITA, die Schwarze Löcher und Galaxien erforschen, bis hin zu hochauflösenden CT-Scans. Die Ausstellung zeigt, wie der Röntgenblick stets zwischen Mikro- und Makrowelt oszilliert und unser Verständnis von Materie, Raum und Zeit erweitert. Ein Catwalk mit Röntgenmode, ein Labyrinth aus transparenten Backsteinwänden und interaktive Stationen machen das physische Erleben zum Teil des Konzepts.
„X-RAY“ ist ein Kaleidoskop des Sehens jenseits des Offensichtlichen: Physik, Kunst, Kulturgeschichte, Literatur, Architektur und Technik verschmelzen zu einer faszinierenden Entdeckungsreise, die den Blick schärft und das Unsichtbare erlebbar macht. Eine Ausstellung, die lehrt, dass unter der Oberfläche eine ganze Welt verborgen liegt – und dass wir nur lernen müssen, sie wahrzunehmen.
9. November 2025 bis 16. August 2026
https://voelklinger-huette.org











