Wenn München im Mai 2026 zur Bühne für Neues wird, trifft sich die Welt des Musiktheaters an einem Ort der Innovation, der Offenheit und der Neugier. Die Münchener Biennale, gegründet in den 1980er-Jahren von Hans Werner Henze als Labor für junges Musiktheater, bleibt auch unter der neuen künstlerischen Leitung von Katrin Beck und Manuela Kerer ein Ort der Experimente: ein Festival, in dem Grenzen verschwimmen, Illusionen Wirklichkeit werden und Klang, Bewegung und Performance zu neuen Sinneserfahrungen verschmelzen.
In diesem Jahr steht die Biennale unter dem inspirierenden Zeichen von Henzes 100. Geburtstag. Sie verbindet lokale Communities mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern und öffnet Räume für Diskurs, Begegnung und Mitgestaltung. Elf Uraufführungen, zahlreiche Koproduktionen und ein innovativer Open Call zum Thema „Martial Arts“ zeigen, wie vielfältig Musiktheater heute sein kann: mal poetisch, mal körperlich, mal interaktiv, mal politisch.

Das neue künstlerische Duo: Katrin Beck und Manuela Kerer © Astrid Ackermann
Die Produktionen führen in Welten, in denen Technologie, Mythos, Körper und Gesellschaft aufeinanderprallen. In „Codeborn“ von Zara Ali etwa erlebt das Publikum die Welt einer künstlichen Intelligenz – Transformationen, Machtfantasien und unmögliche Begegnungen entfalten sich in einem musikalischen Kosmos zwischen Realität und Imagination. In „Vo1ces//Bod1ez“ von Piyawat Louilarpprasert treffen die historischen Stimmen Hans Werner Henzes auf zeitgenössische Kompositionen, ein Musiktheater-Porträt über Widerstand, Arbeit und ritualisierte Körperbewegungen.

Zara Ali © Camilo Pachón, Stiftung Künstlerdorf 2024
Die Biennale geht weit über klassische Inszenierungen hinaus: „Foosball“ von Francesco Giomi verwandelt den Tischfußball in ein akustisches Ereignis, bei dem Publikum und Spielerinnen zu Klangperformerinnen werden. Asia Ahmetjanovas „ENDLICH“ konfrontiert mit der Endlichkeit des Lebens, während Monthati Zenzile Masebe in „Isithunzi“ afrikanische Tradition, elektronische Klangwelten und westliche Instrumente zu einer feinsinnigen Erkundung von Identität und Herkunft verschränkt.
Auch die Magie alter Mythen wird neu interpretiert: Maximiliano Soto Mayorga rekonstruiert in „Xochiyaoyotl“ die rituellen Kampfpraktiken der Azteken, während Margareta Ferek-Petrić mit „Der Miesepups“ Kinder und Erwachsene gleichermaßen in eine poetische Welt voller Humor und Freundschaft entführt.

Maximiliano Soto Mayorga © Elza Loginova
Mit „Hidden Heartache“ entwickeln Ailís Ní Ríain und Julie Herndon eine Körpersprache jenseits menschlicher Verständigung, und Yuri Umemoto bringt europäische Oper, japanische Geistererzählung und KI in einem Theaterexperiment zusammen.
Die Biennale 2026 ist eine Einladung, sich auf Unbekanntes einzulassen, Klang, Bewegung und Performance neu zu erleben. Sie zeigt, dass Musiktheater längst kein statisches Genre ist, sondern ein lebendiges Feld, in dem Gesellschaft, Technologie, Geschichte und Körperlichkeit in ständiger Wechselwirkung stehen. Die Münchener Biennale bleibt damit Henze treu: als Labor für die Zukunft, als Bühne für junge Stimmen, als Forum für alles, was sich nicht in Regeln fassen lässt.
München wird wieder zum Ort der Klangabenteuer, der Experimente und der künstlerischen Entdeckungen.
8. bis 20. Mai 2026
www.muenchener-biennale.de

Ailís Ní Ríain © Ailís Ní Ríain





