Es ist ein Leuchten, das von Frankreich ausgeht – ein Leuchten, das den Kunstpalast Düsseldorf zu Beginn des Jahres 2026 in eine einzige vibrierende Farbatmosphäre taucht. „Monet – Cézanne – Matisse“ heißt die große Ausstellung, die erstmals die Scharf Collection in ihrer ganzen Strahlkraft präsentiert. Sie zeigt, wie die Malerei zwischen Impressionismus und Moderne das Sehen neu erfand – als Spiel aus Licht, Farbe und Empfindung.

Claude Monet lässt den Morgennebel von Giverny flirren, Paul Cézanne zerlegt den Berg Sainte-Victoire in kühle geometrische Spannungen, Henri Matisse übersetzt das Licht des Südens in reine Farbflächen – drei Positionen, drei Arten, die Welt zu begreifen. Doch im Hintergrund dieses Dialogs der Meister schwingt eine ganz eigene Geschichte mit: die einer Sammlerfamilie, die über vier Generationen hinweg ein Kapitel europäischer Kunstgeschichte weiterschreibt.

Pierre Bonnard, Vase mit Blumen, 1933, Öl auf Leinwand, 99,5 x 48,5 cm © The Scharf Collection, Foto: Ruland Photodesign

Pierre Bonnard, Vase mit Blumen, 1933, Öl auf Leinwand © The Scharf Collection, Foto: Ruland Photodesign

Die Wurzeln der Scharf Collection reichen zurück in die glanzvolle Berliner Sammlung Otto Gerstenberg, die einst zu den bedeutendsten Privatsammlungen Europas gehörte. Zwischen Goya, Degas und Toulouse-Lautrec begann eine Leidenschaft, die selbst Krieg, Zerstörung und Exil überdauerte. Margarethe Scharf, Tochter Gerstenbergs, rettete große Teile der Sammlung – eine stille Heldin der Kunstgeschichte. Ihre Söhne Walther und Dieter führten das Erbe weiter, vertieften den französischen Fokus, und so wuchs aus Verlust eine neue Blüte.
Heute führt René Scharf mit seiner Frau Christiane diese Tradition in die Gegenwart. Neben den Klassikern der Moderne treten Werke von Sam Francis, Daniel Richter und Katharina Grosse. Die Ausstellung zeigt, wie sich über mehr als ein Jahrhundert hinweg ein Dialog entfaltet: zwischen Impression und Expression, zwischen europäischer Sensibilität und globaler Energie.

Paul Cézanne, Flusslandschaft mit Häusern, circa 1904, Öl auf Leinwand © The Scharf Collection, Foto: Ruland Photodesign

Paul Cézanne, Flusslandschaft mit Häusern, circa 1904, Öl auf Leinwand © The Scharf Collection, Foto: Ruland Photodesign

Im Zusammenspiel dieser Werke entsteht ein vibrierender Resonanzraum – ein Ort, an dem Farbe Denken wird und Malerei zur Sprache des Inneren. Was Monet einst im flirrenden Sonnenlicht begann, was Cézanne in Form brachte und Matisse in rhythmische Farbe verwandelte, findet in den großformatigen Gesten der Gegenwart ein Echo.
Der Kunstpalast inszeniert diese Schau nicht als bloße Sammlungsschau, sondern als poetisches Panorama des Sehens: von der duftigen Flüchtigkeit des Impressionismus über die strukturierte Klarheit Cézannes bis zur sinnlichen Freiheit der Farbe bei Matisse und darüber hinaus. Es ist, als würde das Licht selbst eine Geschichte erzählen – von Aufbruch, Verlust und Erneuerung.
Die Scharf Collection steht damit exemplarisch für das, was Kunstsammlung sein kann: ein gelebter Dialog zwischen Generationen, Nationen und Empfindungen. In der Begegnung dieser Werke spürt man nicht nur die Geschichte der Moderne – man erlebt ihre ungebrochene Gegenwärtigkeit.
12. März bis 9. August 2026
www.kunstpalast.de

Pierre-Auguste Renoir, Junge Frau mit Blumenhut, 1877-1879, Pastellkreiden auf Papier © The Scharf Collection, Foto: Ruland Photodesign

Pierre-Auguste Renoir, Junge Frau mit Blumenhut, 1877-1879, Pastellkreiden auf Papier © The Scharf Collection, Foto: Ruland Photodesign