Mitten in der Münchner Residenz liegt ein Ort, an dem Geschichte im wörtlichen Sinn Gewicht hat: die Staatliche Münzsammlung München, eine der ältesten und bedeutendsten ihrer Art in Europa. Gegründet von Herzog Albrecht V. im 16. Jahrhundert, wuchs aus der Kunstkammer eines Renaissancefürsten eine Sammlung, die heute über 300.000 Objekte umfasst – Münzen, Medaillen, geschnittene Steine und Siegel aus allen Epochen und Kulturen.
In den Tablarschränken des Museums ruhen winzige Kunstwerke, die von Macht, Glauben, Schönheit und dem Lauf der Welt erzählen. Die älteste Münze der Griechen liegt hier ebenso wie prächtige Goldmedaillen der Wittelsbacher, römische Gemmen und mittelalterliche Schatzfunde aus bayerischem Boden. Was einst als Sammelleidenschaft begann, wurde über die Jahrhunderte zu einem Spiegel menschlicher Zivilisation – ein Kondensat von Kunst, Politik und Ökonomie.

Arsinoë II. Aus purem Gold besteht diese Münze mit dem Porträt der ägyptischen Königin Arsinoë II. Philadelphos. © Staatliche Münzsammlung München
„Alte Schätze – neu entdeckt“
Doch die Münzsammlung ist kein Ort verstaubter Vitrinen. Mit der Ausstellung „Alte Schätze – neu entdeckt“ lädt sie dazu ein, bisher verborgene Kostbarkeiten zu entdecken. Aus den Tresoren treten Werke zutage, die selbst Kenner erstaunen: ein Kristallsiegel des „Winterkönigs“ Friedrich V. von der Pfalz, das einst Briefe mit königlichem Wappen versiegelte; eine goldene Münze der ägyptischen Königin Arsinoë II., geprägt um 253 v. Chr., die erstmals eine Frau als göttliche Herrscherin zeigt; oder eine Schiffsmünze, die nach einem dramatischen Untergang vor Mosambik aus dem Meer geborgen wurde – Zeugin eines globalen Handels, der bereits vor vier Jahrhunderten Kontinente verband.
Die Schau entfaltet ein Panorama der Weltgeschichte in Miniatur: Münzen aus byzantinischen, osmanischen und barocken Werkstätten, fein geschnittene Edelsteine, auf denen sich die Götter Griechenlands spiegeln, und Medaillen, die Fürstenporträts in glänzendes Metall gießen. Jede dieser kleinen Formen ist zugleich Kunstwerk und Zeitdokument – geschaffen, um zu zirkulieren, zu erinnern, zu repräsentieren.

Eine Sphinx liegt vor einer Säule – stammt dieser meisterhafte Kameo demnach aus Ägypten? Nach dem Sieg des Augustus über Kleopatra im Jahr 31 v. Chr. setzte bei der römischen Oberschicht eine ‚Ägyptomanie‘ ein. Selbst als Fragmente büßt der Stein nichts von seinem Reiz ein. Es ist jedoch ein römisches Werk und zeigt, was die Römer an der ‚exotischen‘ ägyptischen Kultur faszinierte. © Staatliche Münzsammlung München
Auch heute noch ist die Münzsammlung ein lebendiger Ort des Wissens und der Begegnung. In Führungen erzählen Kuratorinnen und Wissenschaftler die Geschichten hinter den Prägungen; Kinder dürfen Münzen in die Hand nehmen und erfahren, was Geld einst bedeutete.
Die Bibliothek, mit über 35.000 Titeln eine der reichsten numismatischen Sammlungen im deutschsprachigen Raum, öffnet Forschern und Interessierten gleichermaßen ihre Türen.
So wird aus der Münzsammlung ein Ort des Staunens: Hier glitzern Macht und Mythos, hier verdichten sich Jahrtausende menschlicher Kultur auf wenigen Quadratzentimetern Metall – kostbar, fragil, und von unvergänglichem Glanz.
ganzjährig geöffnet
www.staatliche-muenzsammlung.de

Schiffsmünze. Münzen sind meist Handelsobjekte, aber selten lässt sich ihr genauer Weg zurückverfolgen. Diese hier stammt von Bord eines portugiesischen Schiffes, das 1622 vor Mosambik sank. © Staatliche Münzsammlung München






