Mit der Ausstellung Mercedes Helnwein. Werner Berg. Alberto Giacometti – Drei Welten im Nahbereich wagt das Werner Berg Museum eine ebenso überraschende wie präzise Gegenüberstellung dreier künstlerischer Positionen, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Und doch verbindet sie ein gemeinsames Erkenntnisinteresse: die intensive, fast soziologische Durchdringung einer jeweils begrenzten Welt – eines Mikrokosmos, in dem sich menschliche Existenz exemplarisch verdichtet.

Mercedes Helnwein (*1979) richtet ihren Blick auf den „american way of life“ der 1950er- und 1960er-Jahre. Vorstadtsiedlungen, Wohnzimmer, Highschools, Abschlussbälle oder Krankenhauszimmer werden bei ihr zu Bühnen leiser Irritationen. In scheinbar harmlosen Alltagsszenen liegt ein unheimlicher Unterton, der den Blick schärft für soziale Rollen, kollektive Rituale und fragile Zwischenmenschlichkeit. Helnweins Bilder erzählen von Nähe und Fremdheit zugleich – mit einem feinen Gespür für das Abgründige im Gewöhnlichen.

Mercedes Helnwein, Foto Harald Scheicher

Mercedes Helnwein, Foto Harald Scheicher

Werner Berg (1904–1981) hingegen verdichtete über Jahrzehnte hinweg Begegnungen im ländlichen Südkärnten zu zeitlosen Bildformeln menschlicher Existenz. Märkte, Kirchtage, Wirtshäuser oder Eisenbahnfahrten hielt er oft in Sekundenbruchteilen skizzenhaft fest, um sie später im Atelier zu klar strukturierten Kompositionen weiterzuentwickeln. Die scheinbar unspektakuläre „kleine Welt“ Unterkärntens wurde für Berg zum allgemeinen Gleichnis des Menschseins – konzentriert, würdevoll und von großer formaler Klarheit.

Alberto Giacometti, Ende 1940er, Foto Emmy Andriesse

Alberto Giacometti, Ende 1940er, Foto Emmy Andriesse

Einen dritten, urbanen Mikrokosmos eröffnet Alberto Giacomettis (1901–1966) Grafikzyklus Paris sans fin. In 150 Lithografien zeigt er die Orte und Menschen, die seine Existenz in der Metropole prägten: Ateliers, Cafés, Straßenzüge, Automobile, Modelle. Die Begegnung mit der jungen Caroline ab 1958 erweiterte seinen Aktionsradius – zeichnend im fahrenden Auto, tastete Giacometti die Stadt neu ab. Seine charakteristischen, sich überkreuzenden Linien verdichten das Flüchtige zum Besonderen, das Ungefähre zur existenziellen Präzision. In der Ausstellung treten ausgewählte Werke der drei Künstler stellenweise direkt in Dialog. Diese Berührungen schärfen den Blick für das Verbindende jenseits stilistischer und zeitlicher Unterschiede: die Konzentration auf Nähe, Wiederholung und Beobachtung als künstlerische Methode. Zugleich bietet die Schau Gelegenheit, Werner Bergs lebenslange Erforschung einer begrenzten Welt anhand zahlreicher, bislang nicht gezeigter Arbeiten neu zu entdecken.
9. Mai bis 8. November 2026    

Ergänzt wird das Ausstellungsprogramm durch den Skulpturengarten mit Hans Peter Profunser – Gegen den Strom sowie durch die Kunst-Fassaden-Aktion, die großformatige Arbeiten in den öffentlichen Raum von Bleiburg/Pliberk trägt – ein Alleinstellungsmerkmal, das das Museum über seine Mauern hinaus wirksam werden lässt.

www.wernerberg.museum