Der französisch-beninische Künstler Roméo Mivekannin verbindet europäische Bildtraditionen mit Fragen nach Schwarzer Identität, Erinnerung und kolonialer Gewalt. Humorvoll und zugleich scharfzüngig schreibt er sich selbst in den Kanon der Kunstgeschichte ein – und legt dessen blinde Flecken offen.

Für seine erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland entwickelt Mivekannin in der Kunsthalle Gießen eine raumgreifende Installation, inspiriert vom nie realisierten „Führermuseum“ Adolf Hitlers in Linz. Herzstück ist ein begehbarer, an monumentale Architektur erinnernder Käfig, in dem Porträts von Künstlerinnen der NS-Zeit versammelt sind – von Verfolgten wie Elfriede Lohse-Wächtler bis zu Befürworterinnen wie Leni Riefenstahl. Die Arbeit macht die engen Verflechtungen von Kunst, Faschismus und Kolonialismus sichtbar und hinterfragt zugleich die Rolle von Institutionen als Orte historischer Erinnerung und Deutung. Der Ausstellungstitel („Gesagt wird kaum ein Wort“) verweist dabei auf das Schweigen, das diese Zusammenhänge bis heute umgibt.

Parallel dazu versteht Mivekannin seine Werke als Teil eines rituellen Heilungsprozesses. Als Nachfahre von Béhanzin, dem letzten König von Dahomey, greift er auf spirituelle Praktiken zurück: Seine Gemälde entstehen auf gebrauchten Bettlaken, die vor dem Malprozess nach Voodoo-Traditionen in Elixiere getaucht werden, um sie von negativen Energien zu reinigen. Auch seine Keramiken, die zeremonielle Substanzen enthalten, verbinden das Spirituelle mit dem Politischen – und erweitern den kunsthistorischen Diskurs um eine körperliche, rituelle Dimension.
18. Dezember 2025 bis 15. März 2026

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