Kaum ein Künstler hat die geometrische Abstraktion so konsequent hinterfragt wie François Morellet. Strenge Systeme, mathematische Präzision und überraschender Humor prägen sein Werk gleichermaßen. Zum 100. Geburtstag des französischen Künstlers widmet das Centre Pompidou-Metz ihm mit „100 für Hundert“ eine umfassende Retrospektive, die sein außergewöhnliches Schaffen in all seinen Facetten würdigt.

Mit der Ausstellung „100 für Hundert“ ehrt das Centre Pompidou-Metz einen der bedeutendsten Vertreter der konkreten und geometrischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Anlässlich des 100. Geburtstags von François Morellet versammelt die Retrospektive 100 Werke aus einem künstlerischen Schaffen, das sich über mehr als sieben Jahrzehnte erstreckt und bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat.
Chronologisch aufgebaut, führt die Ausstellung durch die verschiedenen Schaffensphasen des französischen Künstlers. Selten gezeigte Gemälde aus den 1940er-Jahren markieren den Ausgangspunkt einer Entwicklung, die konsequent von der Suche nach Ordnung, Struktur und formaler Klarheit geprägt war. Doch Morellet verstand Regeln nie als starres Korsett. Vielmehr nutzte er mathematische Systeme, Zufallsprinzipien und geometrische Raster als Ausgangspunkt für Werke, die ihre eigene Logik immer wieder humorvoll unterlaufen.

François Morellet, Mask King Tape, 1985 © Archiv François Morellet / Adagp, Paris, 2026

François Morellet, Mask King Tape, 1985 © Archiv François Morellet / Adagp, Paris, 2026

Besonders eindrucksvoll zeigt sich dies in seinen berühmten Arbeiten mit Neonlicht. Die leuchtenden Linien und geometrischen Konstruktionen entfalten eine fast architektonische Präsenz und verwandeln den Ausstellungsraum in ein Spiel aus Licht, Perspektive und Bewegung. Trotz ihrer scheinbaren Strenge besitzen die Installationen eine überraschende Leichtigkeit und laden dazu ein, vertraute Sehgewohnheiten zu hinterfragen.
Morellets Kunst bewegt sich dabei stets zwischen Rationalität und Ironie. Seine Werke folgen präzisen Regeln und wirken zugleich spielerisch, manchmal sogar provokant. Gerade diese Verbindung aus analytischem Denken und subtiler Komik machte ihn zu einer prägenden Persönlichkeit der internationalen Gegenwartskunst und zu einem wichtigen Impulsgeber für nachfolgende Künstlergenerationen.
Über die Museumsräume hinaus setzt die Jubiläumsausstellung ein sichtbares Zeichen im Stadtbild von Metz. Die monumentale Arbeit Trames 30° – 60° – 120° – 150° wurde an der Fassade des SNCF-Technikzentrums erneut installiert und erweitert die Ausstellung in den öffentlichen Raum. Architektur, Stadtlandschaft und Kunst treten hier in einen spannenden Dialog, der Morellets Interesse an räumlicher Wahrnehmung eindrucksvoll fortführt.
Begleitet wird das Jubiläumsprojekt von Vorträgen, Führungen und Veranstaltungen in ganz Frankreich. Sie eröffnen neue Perspektiven auf das Werk eines Künstlers, dessen geometrische Kompositionen weit mehr sind als mathematische Konstruktionen: Sie sind intelligente, humorvolle und bis heute überraschend lebendige Reflexionen über Ordnung, Zufall und die Freiheit des Sehens.
3. April bis 28. September 2026
www.centrepompidou-metz.fr/de

François Morellet, Violet, bleu, vert, jaune, orange, rouge, 1953, Öl auf Holz, Paris, Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, AM 1985-494 © Adagp, Paris, 2026 Foto: © Centre Pompidou, MNAM-CCI / Audrey Laurans / Dist. GrandPalaisRmn

François Morellet, Violet, bleu, vert, jaune, orange, rouge, 1953, Öl auf Holz, Paris, Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, AM 1985-494 © Adagp, Paris, 2026 Foto: © Centre Pompidou, MNAM-CCI / Audrey Laurans / Dist. GrandPalaisRmn