Mit Richard Strauss’ „Salome“ bringt das Staatstheater Darmstadt im Januar 2027 eines der radikalsten Werke der Operngeschichte auf die Bühne. Nach Oscar Wildes gleichnamiger Dichtung entfaltet sich in nur einem Akt ein psychologisches Drama über Begehren, Zurückweisung und Macht – getragen von einer Musik, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Weg in die Moderne mitprägte.
Eine mondhelle Nacht auf der Terrasse des Palasts von König Herodes. Während im Inneren gefeiert wird, versucht dessen Stieftochter Salome den lüsternen Blicken des Königs zu entkommen. Draußen hört sie plötzlich eine Stimme aus einer Zisterne: Dort wird der Prophet Jochanaan gefangen gehalten, der unbeirrt seinen Glauben verkündet und die moralische Verkommenheit des Hofes anprangert.
Salome ist augenblicklich von ihm fasziniert. Seine Stimme, sein Körper und seine kompromisslose Haltung ziehen sie immer stärker an. Was zunächst wie Neugier erscheint, entwickelt sich zu einem obsessiven Begehren. Doch Jochanaan weist Salome zurück und verweigert ihr sowohl seine Liebe als auch den von ihr verlangten Kuss. Die Zurückweisung verändert die junge Prinzessin. Salome, selbst Kind einer von Machtmissbrauch und Begierde bestimmten Familie, wird zunehmend zur Täterin. Als Herodes sie auffordert, für ihn zu tanzen, erkennt sie ihre Möglichkeit, Macht über den König zu gewinnen.
Für ihren berühmten Tanz der sieben Schleier lässt sich Salome von Herodes eine Belohnung versprechen. Anschließend fordert sie das Undenkbare: den Kopf Jochanaans. Herodes versucht zunächst, sein Versprechen zurückzunehmen, muss ihrer Forderung schließlich jedoch nachgeben. Salome erhält den abgeschlagenen Kopf des Propheten und kann nun jenen Kuss vollziehen, den dieser ihr zu Lebzeiten verweigert hatte.
Richard Strauss schuf mit seiner 1905 uraufgeführten „Salome“ einen Meilenstein der musikalischen Moderne. Ein riesig besetztes Orchester, extreme harmonische Spannungen und eine bis an die Grenzen gehende musikalische Darstellung von Erotik und Gewalt machten das Werk von Beginn an zu einer Herausforderung – und zugleich zu einem der wirkungsmächtigsten Musikdramen des frühen 20. Jahrhunderts.
Am Staatstheater Darmstadt übernimmt Kerem Hillel die Regie. Die musikalische Leitung liegt bei Johannes Zahn, die Bühne gestaltet Sarah Wolters und die Kostüme stammen von Juliane Laengin. Damit trifft Strauss’ klanggewaltiges Musikdrama auf eine neue Darmstädter Inszenierung, die Salomes Weg vom Opfer ihrer Umgebung zur Täterin ins Zentrum rückt.
Premiere 30. Januar 2027
weitere Aufführungen: 12. und 21. Februar, 19. März sowie 4., 10. und 24. April 2027

