Das Nationaltheater Mannheim ist eines der größten und ältesten kommunalen Repertoiretheater Deutschlands. Insbesondere das Wirken Schillers und die Verbindung zu Mozart prägen bis heute die Arbeit am NTM. Zahlreiche Uraufführungen und Deutsche Erstaufführungen in den vier Sparten Oper, Schauspiel, Tanz und Junges Nationaltheater sowie die 2012 gegründete Mannheimer Bürgerbühne, heute Mannheimer Stadtensemble, belegen beispielhaft die innovative und zeitgemäße Fortführung der Tradition. Hervorragende künstlerische Leistungen machen das NTM zum Flaggschiff der Stadt Mannheim und überregional zu einer der bedeutendsten Bühnen Deutschlands.

Pressluft von Martin Nachbar
Wir atmen. Unser Brustkorb hebt und senkt sich. Wir saugen Sauerstoff in die Lunge. Wir schicken Kohlendioxid wieder raus. Wir stehen fest auf dem Boden. Wir können entscheiden, wann wir losgehen. Wann wir die feste Position verlassen. Wann wir unser gleichmäßiges Atmen unterbrechen und die Stimme nutzen. Unsere Stimme und unsere Sprache wiederum können eine Position beschreiben und einnehmen. Wofür die Stimme erheben? Wie laut soll sie sein? Was wird gehört? Wollen wir die Stimme abgeben? Protestieren?
Der Choreograf Martin Nachbar untersucht gemeinsam mit dem künstlerischen Team die Verbindung von Atem, Stimme und Protest. Ausgehend von den alltäglichen Werkzeugen von Tänzern und Schauspielern, nämlich dem kontrollierten Atmen und der bewusst gesetzten Stimme, nähern sie sich Protestbewegungen wie „Fridays for Future” und begegnen der eigenen Verantwortung für den Klimawandel. Eine Tanzperformance auf der Suche nach eigenen politischen Stimmen im Alltag der Vielstimmigkeit. Am Jungen NTM ist von Martin Nachbar bereits „My funny Valentine” zu sehen.
Premiere: 11. April 2021

Romeo und Julia
Tragödie von William Shakespeare
Romeo und Julia lieben sich. Und ihre Liebe ist ein Problem – zwischen ihren Familien herrscht seit Generationen erbitterter Streit. Gewalt erzeugt neue Gewalt und auch die politischen Instanzen können keinen Frieden stiften. Julia und Romeo ahnen, dass ihre verbotene Beziehung ihr Leben in Gefahr bringt – aber die Liebe wird umso stärker, je unmöglicher sie wird. Und schließlich droht den Liebenden noch eine Zweckehe, die sie auseinanderbringen könnte. Eine heimliche Heirat und die Flucht soll Rettung bringen, aber eine unglückliche Verkettung treibt die Liebenden in den Selbstmord. Erst am Grab ihrer Kinder reichen sich die Familien die versöhnende Hand.
Im Jahr 1595 wurde die Tragödie, die zu Shakespeares populärsten Werken zählt, zum ersten Mal gezeigt und gehört seitdem zu den meistgespielten und verfilmten Theaterstücken weltweit. Regisseurin Selen Kara Kara spielt in ihrer Inszenierung mit der herkömmlichen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau in Shakespeares Vorlage: Warum kann eigentlich nicht Julia die sein, die Romeo erobert und Romeo derjenige, dem eine politische Heirat aufgezwungen werden soll? Dabei wird die Geschichte zweier junger Menschen von der Regisseurin Selen Kara erzählt, die füreinander einstehen und sich aus den gesellschaftlichen Zwängen befreien wollen.
Premiere: 31. Mai 2021

Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf dem Kopf gemacht hat
Werner Holzwarth & Wolf Erlbruch
Eines Morgens passiert es: Ein großer Kackhaufen landet direkt auf dem Kopf des Maulwurfs. Eine Unverschämtheit! Aber es ist gar nicht so leicht, herauszufinden, wer das war. „Hast du mir auf den Kopf gemacht?” – „Nein, wieso? Ich mach’ so!” Ganz ungeniert fragt der Maulwurf herum und lernt dabei alle möglichen Arten von Kacke kennen: vom Vogel, von der Kuh, von der Ziege, … . Aber die auf seinem Kopf findet er so nicht. Können die Fliegen ihm vielleicht weiterhelfen?Kacke ist ein Thema für alle: Jeder merkt es, jeder macht es, aber miteinander über Kacke zu sprechen, ist für viele irgendwie peinlich.Das Theaterkollektiv James & Priscilla und das Ensemble des Jungen NTM machen aus dem bekannten Bilderbuch von Werner Holzwarth und Wolf Erlbruch eine musikalische Theaterproduktion. Das Team gibt der natürlichen Neugier gegenüber Kacke und dem Verdauungsapparat eine Bühne und hält den Spaß am Ausscheiden als gesundes Körpergefühl hoch! Mit selbstgeschriebenen Songs und heiteren Einlagen erweitert das Theaterkollektiv die Erzählung und verwandelt sie in eine Pop-Oper für kleines und großes Publikum.
Premiere 5. Juni 2021

Die Jungfrau von Orleans
Romantische Tragödie von Friedrich Schiller im Rahmen der Internationalen Schillertage 2021
Gotteskriegerin, Bauernmädchen mit Halluzinationen oder Rebellin? Die historische Jeanne d’Arc wurde erst zur Heerführerin ernannt, dann als Hexe verbrannt und schließlich zur Heiligen verklärt. Wer war diese junge Frau, der es gelang, einem autoritären System die Stirn zu bieten und eine ganze Gesellschaft mitzureißen? War sie fanatisch, durchtrieben oder entschlossen? In der »romantischen Tragödie« von 1801 zeigt Friedrich Schiller seine »Jungfrau von Orleans« als Zerrissene zwischen ihrer Mission und ihren eigenen Gefühlen. Heldinnen dürfen nicht lieben – und nicht scheitern. Schiller erfindet ein alternatives Ende und lässt Johanna heroisch auf dem Schlachtfeld fallen. Seine Version des Mythos von Jeanne d’Arc nimmt die junge polnische Regisseurin Ewelina Marciniak zum Anlass, über heldische und einflussreiche Frauen heute nachzudenken. Wer sind die Johannas der Gegenwart? Soldatinnen? Aktivistinnen? Und wie geht unsere Welt mit ihnen um? In ihrer Heimat Polen ist Ewelina Marciniak bereits ein Regiestar. Seit 2018 arbeitet sie auch an deutschen Theatern, u. a. am Hamburger Thalia Theater und am Theater Freiburg. Ihr Interesse an neuen Erzählformen verbindet sie mit der Erforschung weiblicher Perspektiven auf Theatertexte.
Premiere: 17. Juni 2021

21. Internationale Schillertage
2021 finden die Internationalen Schillertage bereits zum 21. Mal statt. Längst haben sie sich weit über Mannheim hinaus einen Namen gemacht. Die Schillertage sind besonders. Nicht nur, weil bei diesem Festival das Werk eines einzigen Künstlers im Mittelpunkt steht und mit jeder Festivalausgabe neu gedeutet wird, sondern auch deshalb, weil es ihnen wie kaum einem anderen Festival gelingt, Tradition und Gegenwart zusammenzudenken. Die Schillertage verknüpfen die internationale zeitgenössische Kunstszene produktiv mit dem eigenen Standort, der Stadt Mannheim und der Metropolregion Rhein-Neckar. Sie sind lokal und international, zeitgenössisch und traditionsverbunden zugleich.
In den kommenden Jahren werden die Schillertage weiterentwickelt. Welche Themen und Ideen Schillers vermögen Künstlerinnen und Künstler heute noch immer zu inspirieren? Inwiefern bieten seine Überlegungen etwa zum Verhältnis der Geschlechter, zur Auseinandersetzung mit und Aneignung von Geschichte oder zur Herausbildung von individuellen und kollektiven Identitäten Stoff für die Auseinandersetzung mit den Themen und Fragen unserer Zeit?
Die Schillertage sind ein Festival in und für Mannheim. Sie machen die Stadt selbst zur Bühne und tragen Schiller auch an Orte, an denen man ihn bisher nicht vermutet hätte. Nicht zuletzt verstehen sich die Schillertage auch als Fest, als eine gute Gelegenheit also, miteinander zu feiern und ins Gespräch zu kommen.
17. bis 27. Juni 2021

www.nationaltheater-mannheim.de