In einer Welt, in der Zeit allgegenwärtig, aber oft flüchtig erscheint, lädt ein außergewöhnliches Jubiläum dazu ein, über die Kunst der Zeitmessung innezuhalten: Die Astronomische Kunstuhr von Hermann Goertz wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Sie steht im Zentrum des Deutschen Uhrenmuseums Glashütte – einer Institution, die der 180-jährigen Uhrmachertradition der sächsischen Kleinstadt ein eindrucksvolles Denkmal setzt. Wer das Museum betritt, steht bereits nach wenigen Schritten vor einem kolossalen Meisterwerk, das mechanische Raffinesse und ästhetische Finesse auf einzigartige Weise vereint. Anlässlich des Jubiläums widmet sich ab 11.  September 2025 die  Sonderausstellung „ZEITSPRUNG ” dieser einzigartigen Uhr.

Die Astronomische Kunstuhr ist nicht nur ein Zeitmesser, sie ist ein Kosmos im Kleinen. Mit ihren 1.756 Einzelteilen – darunter 122 Zahnräder, 54 Hebel und 424 Schrauben – stellt sie eine technische und künstlerische Leistung dar, wie sie heute kaum mehr denkbar ist. Acht Zifferblätter, 17 Zeiger und 20 verschiedene Anzeigen liefern weit mehr als nur Stunde und Minute: Hier werden auch der Lauf des Mondes, das Mondalter, Sonnenauf- und -untergangszeiten, ein ewiger Kalender und sogar der sichtbare Sternenhimmel über Glashütte dargestellt. Ein schlagendes Mahagonigehäuse mit Schlagwerk rundet das Gesamtkunstwerk ab.

Das anzeigenreiche Zifferblatt, Foto René Gaens

Das anzeigenreiche Zifferblatt, Foto René Gaens

Gebaut wurde die Uhr vom westpreußischstämmigen Uhrmacher Hermann Goertz – ein Mann, dessen Lebensweg so ungewöhnlich wie seine Schöpfung ist. Ausgebildet in Berdjansk, später selbstständig in Charkow, erlebte er die Wirren der russischen Revolution hautnah. 1918 floh er nach Deutschland, fand in Glashütte eine neue Heimat – und schrieb dort Uhrengeschichte. Im Alter von 56 Jahren schrieb er sich an der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte ein, um seine Arbeiten an der Kunstuhr zu vollenden. Am 17. Oktober 1925 war es so weit: Nach mehr als 30 Jahren Bauzeit erklärte er seine „große Uhr“ für vollendet.
Drei Jahre später erwarb der Freistaat Sachsen das Werk und übergab es der Uhrmacherschule als Lehrmittel. Seither schlägt und läuft sie – mit beeindruckender Konstanz und Präzision, nur unterbrochen von sorgfältigen Revisionen. Die Uhr ist nicht nur ein Zeugnis technischer Meisterschaft, sondern auch Symbol für die Ausdauer und Hingabe, mit der Uhrmacher wie Goertz ihr Handwerk betrieben.
Zum 100. Geburtstag der Astronomischen Kunstuhr hat das Uhrenmuseum im September 2025 eine eigene Sonderausstellung eröffnet, die sich der Kunstuhr widmet. Unter dem Titel ZEITSPRUNG begeben sich die Besucher darin auf eine Zeitreise ins Jahr 1925, als die Uhr vollendet wurde. Anhand unterschiedlicher Themen werden die technischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der damaligen Zeit erlebbar gemacht und gezeigt, welche Herausforderungen Hermann Goertz bei den Arbeiten an seinem Meisterwerk zu bewältigen hatte. Darüber hinaus gibt die Ausstellung anschaulich dargestellte Einblicke ins Innere der Uhr. Als zentrale Elemente wurden dafür beispielsweise der ewige Kalender, die astronomischen Funktionen oder die beim Bau des Uhrwerks verwendeten Materialien ausgewählt. Die neue Sonderausstellung kann zu den regulären Öffnungszeiten des Uhrenmuseums, Mittwoch bis Sonntag jeweils 10 bis 17 Uhr, besichtigt werden.
www.uhrenmuseum-glashuette.com

Astronomische Kunstuhr, Foto René Gaens

Astronomische Kunstuhr, Foto René Gaens