Das Ernst Barlach Haus in Hamburg zählt zu den besonderen Orten, an denen Bildhauerei in ihrer ganzen Konzentration und Ausdruckskraft erlebbar wird. Inmitten eines weitläufigen Parks gelegen, widmet sich das Museum nicht nur dem Werk Ernst Barlachs, sondern setzt mit fein kuratierten Ausstellungen immer wieder spannende Akzente innerhalb der Kunst des 20. Jahrhunderts. Hier begegnen sich Sammlung und Gegenwart im Dialog – still, intensiv und stets von großer ästhetischer Klarheit.

Im Sommer 2026 rückt das Haus mit der Ausstellung „Nichts ohne Natur“ einen Künstler in den Mittelpunkt, der zu den bedeutendsten Bildhauern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehört: Ewald Mataré (1887–1965). Ursprünglich als Maler in Berlin tätig, fand Mataré nach einem prägenden Aufenthalt auf Wangerooge im Jahr 1920 über Holzschnitt und Fundhölzer zur Plastik – und damit zu jener Kunstform, die sein Schaffen nachhaltig bestimmen sollte.

Ewald Mataré: Zeichen eines Pferdes, 1945, Bronze, Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung, Kleve © VG Bild-Kunst, Bonn 2026; Foto: Annegret Gossens

Ewald Mataré: Zeichen eines Pferdes, 1945, Bronze, Museum Kurhaus Kleve – Ewald Mataré-Sammlung, Kleve © VG Bild-Kunst, Bonn 2026; Foto: Annegret Gossens

Tiere wurden zum zentralen Motiv seines Werks. Aus genauer Beobachtung, insbesondere von Kühen, entwickelte Mataré seine charakteristisch reduzierten, zeichenhaft abstrahierten Skulpturen. Seine Arbeiten suchen nicht das Detail, sondern die Essenz: Form wird zum Ausdruck von Wesen, Ruhe und innerer Spannung. Gerade die oft kleinformatigen Plastiken entfalten eine bemerkenswerte Präsenz. In Materialien wie Bronze, Zink, Silber oder edlen Hölzern zeigt sich Matarés Sinn für Oberfläche, für Maß und für die stille Eleganz der Reduktion. Matarés Einfluss reicht weit über sein eigenes Werk hinaus: Als Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie prägte er eine Generation von Künstlern, darunter Joseph Beuys. Die Ausstellung lädt dazu ein, die Natur als Ursprung und Inspiration seiner Kunst neu zu entdecken.
21. Juni bis 11. Oktober 2026
www.barlach-haus.de