Das Ernst Barlach Haus in Hamburg zählt zu jenen besonderen Orten, an denen Kunst nicht nur betrachtet, sondern erlebt wird. Gegründet von Hermann F. Reemtsma, folgt das Museum bis heute seiner programmatischen Idee einer „Kunst, die mich angeht“: Ausstellungen sollen berühren, irritieren, inspirieren – und den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart immer wieder neu eröffnen. In konzentrierten Werkschauen widmet sich das Haus Künstlerinnen und Künstlern des 20. Jahrhunderts ebenso wie aktuellen Positionen, setzt ungewöhnliche Akzente und entdeckt oft auch Namen, deren Bedeutung bislang zu wenig gewürdigt wurde. Jede Ausstellung entsteht dabei im engen Wechselspiel mit der Barlach-Sammlung und entlockt ihr neue Facetten in sorgfältig inszenierten Parcours. Lob des Schattens lädt ein zu einer Reise in Zwischenwelten – dorthin, wo Kunst, Theater und Erinnerung in einem faszinierenden Spiel aus Licht und Dunkelheit neue Räume öffnen.
Mit Lob des Schattens präsentiert das Ernst Barlach Haus von 22. Februar bis 7. Juni 2026 eine eindrucksvolle Ausstellung der renommierten Künstlerin Ulla von Brandenburg. Ihre Arbeiten sind bekannt für ihre außergewöhnliche theatralische Kraft: Mit Malerei, Skulptur, Textil, Film und Performance verwandelt sie Museumsräume in Bühnen poetischer Wirklichkeiten, in denen Erinnerung, Ritual und Rätselhaftigkeit miteinander verschmelzen.

Ulla von Brandenburg: Kakémono V, 2024–2025, courtesy of the artist and Art : Concept, Paris; Galerie Meyer Riegger, Berlin/Karlsruhe; Pilar Corrias Gallery, London; Produzentengalerie Hamburg © VG Bild-Kunst, Bonn 2026; Foto: substancemat
Ausgangspunkt der Schau ist Brandenburgs intensiver Aufenthalt in Kyoto, wo sie sich während eines Stipendiums in der Villa Kujoyama mit japanischer Kultur und Ästhetik auseinandersetzte. Besonders faszinieren sie die Traditionen des Figuren- und Puppentheaters, die Festkultur und ihre Rituale, textile Färbetechniken sowie die Welt der Yōkai – jener schillernden Geister und Dämonen zwischen Freundlichkeit und Bedrohung. Auch die japanische Architektur mit ihren Übergängen, Schwellen und Zwischenräumen wird zum Resonanzraum ihrer künstlerischen Recherche.
Der Ausstellungstitel verweist auf Jun’ichirō Tanizakis berühmten Essay Lob des Schattens (1933), der das Zwielicht und die Schönheit des Unausgesprochenen feiert. Diese Ästhetik verbindet sich auf vielfältige Weise mit Brandenburgs Werk, etwa mit ihrem Film Un bal sous l’eau (2023), der Elemente des Schattentheaters aufgreift und in Hamburg nun gemeinsam mit zahlreichen in Japan entstandenen Arbeiten präsentiert wird.
Ein besonderer Höhepunkt ist die Eröffnung mit dem Schattenspiel Wir werden wieder Raum haben und nicht bloß Fläche, ein Zitat Ernst Barlachs, das zugleich die Brücke zum expressionistischen Meister schlägt: Auch Barlach war ein Theatermensch, ein Künstler des Vieldeutigen und des Übernatürlichen. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine filmische Fassung der Performance sowie durch das kostenfreie Magazin 11, das Brandenburgs Publikationsreihe fortsetzt.
22. Februar bis 7. Juni 2026
www.barlach-haus.de

Ulla von Brandenburg: Un bal sous l’eau (Ein Unterwasserball), 2023 (still), courtesy of the artist and Art : Concept, Paris; Galerie Meyer Riegger, Berlin/Karlsruhe; Pilar Corrias Gallery, London; Produzentengalerie Hamburg © VG Bild-Kunst, Bonn 2026
















