Die Dauerausstellung im Literaturmuseum der Moderne hat es auf nichts weniger als die Seele der deutschen Literatur abgesehen. Was ist Literatur? Was kann sie? Was bleibt von ihr, wenn man von 1899 bis 2001 im Archiv nach ihr sucht? Ergänzt wird der große Dauerausstellungsraum von einem virtuellen Museum des 21. Jahrhunderts.

Im Literaturmuseum der Moderne finden auch die großen Wechselausstellungen statt, die thematisch Bestände des Archivs vorstellen und Labor für unterschiedlichste Forschunsgprojekte wie das »Netzwerk literarische Erfahrung« sind. Der Poesieautomat von Hans Magnus Enzensberger (eine Leihgabe der Sammlung Würth KÜNZELSAU) dichtet auf Knopfdruck mögliche Orakel: »Es ist ein Spiel. Wie weit man es mit Sinn auflädt, hängt vom Betrachter ab. Es können Gedichte entstehen, die jemandem etwas sagen.« Das von David Chipperfield Architects entworfene Literaturmuseum der Moderne wurde 2006 eröffnet und 2007 mit dem Stirling Prize ausgezeichnet.

Dauerausstellung »Die Seele«
Im Mittelpunkt der Dauerausstellung steht das Schreiben. Begleitet von der Zeit, ihren Rhythmen und Befindlichkeiten. Fasziniert von den Klängen, Bildern und Räumen, die sich mit der Sprache auf dem Papier entwerfen lassen. Beglückt von unserer Fantasie, die auch den Dingen eines Archivs schenkt, was diese für uns so kostbar macht: Die Seele.
Die Seele eines Archivs liegt in seinen Dingen. Mit 280 Exponaten, die aus über 1.400 Schriftsteller- und Gelehrtennachlässen mit rund 50 Millionen Blättern, Büchern und Gegenständen ausgewählt wurden, lädt die neue Ausstellung »Die Seele« ein, die Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts von den Beständen des Deutschen Literaturarchivs aus zu entdecken. Alle Exponate sind Grenzgänger zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, zwischen den Dingen selbst und dem poetischen Raum, den sie eröffnen. Die Zeit ist dabei ständiger Begleiter des literarischen Schreibens – zwischen scheinbar unendlicher Ausdehnung und einem Wimpernschlag.

Sonderausstellung: Hölderlin, Celan und die Sprachen der Poesie
Literaturmuseum der Moderne
Was ist Poesie? Was machen wir mit Gedichten? Wie verwandeln sie uns und unsere Wahrnehmung, vielleicht sogar ein wenig unser Leben? Welche Verse lösen Gänsehaut aus, welche rühren uns zu Tränen, welche lassen uns kalt? Die Ausstellung ›Hölderlin, Celan und die Sprachen der Poesie‹ macht Lust auf das Lesen auch von schwierigen Gedichten. Sie zeigt Hölderlins Gedichte aus sehr unterschiedlichen Perspektiven: von ihrer Entstehung über ihre Machart bis hin zu ihrer Wirkung.
›Hölderlin, Celan und die Sprachen der Poesie‹ entdeckt die Hölderlin-Spuren in der Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts. Sie ziehen sich von Wilhelm Waiblinger und Eduard Mörike über Norbert Hellingrath, Rainer Maria Rilke und Hermann Hesse, Hannah Arendt, Mascha Kaléko, Nelly Sachs, Ingeborg Bachmann und Paul Celan bis in die Gegenwart. Auf dem Hölderlin-Leser Celan, dessen umfangreicher Nachlass sich im Deutschen Literaturarchiv befindet, liegt dabei ein besonderer Schwerpunkt: Er wäre im Jahr 2020 100 Jahre alt geworden und zugleich jährt sich sein Todestag zum 50. Mal.
Mit Hilfe experimenteller Ansätze können Besucher erforschen, wie sie selbst Hölderlin-Texte lesen und deren poetisch Machart wirkt, was Hölderlins Rezeptionsspuren so besonders macht und wie Wissen, aber auch bestimmte Räume und Situationen unsere literarische Erfahrung verändern.
bis 1. August 2021

Laß leuchten!
Peter Rühmkorf – selbstredend und selbstreimend
Der vielfach preisgekrönte Lyriker Peter Rühmkorf (1929–2008) war lange Jahre in Hamburg an der Elbe zu Hause, doch seine Manuskripte ›wohnen‹ bereits seit 1980 als sogenannter Vorlass im Deutschen Literaturarchiv, wo nun die Arno Schmidt Stiftung Rühmkorfs Leben und Werk mit der umfangreichen Ausstellung »Laß leuchten!« im Schiller-Nationalmuseum präsentiert.
Rühmkorf publizierte seine Gedichte nicht nur in Büchern, sondern entdeckte neue Orte für die Lyrik. Gemeinsam mit befreundeten Musikern trug er sie auch als »Jazz und Lyrik« in Kellerclubs, Kirchen und auf öffentlichen Plätzen vor. Er sammelte Kinder- und Spottverse, studierte und rezensierte Kollegen, bewunderte Dichter vergangener Jahrhunderte, schrieb Theaterstücke und erreichte mit seinem Erinnerungsbuch Die Jahre die Ihr kennt ein großes Publikum. Rühmkorf arbeitete als Redakteur der Zeitschrift konkret, als Lektor des Rowohlt Verlags und engagierte sich in der Studenten- und Friedensbewegung.
Die Ausstellung zeigt Rühmkorfs Werk und sein Leben als Künstler und streitbarer Intellektueller in allen Facetten. Zentrales Element der Ausstellung ist der »Raum der Gedichte«, in dem zehn Gedichte Rühmkorfs in Großprojektionen inszeniert werden. Eine Auswahl weitgehend unbekannter Filmaufnahmen seiner Jazz-und-Lyrik-Programme aus mehreren Jahrzehnten ergänzt die Gedichtprojektionen. Themenstationen widmen sich wichtigen Aspekten in Schaffen und Leben des Dichters, stellen einzelne Werkphasen vor und erläutern sein poetisches Konzept. Eine fünfzig Quadratmeter große Wandinstallation verdeutlicht am Beispiel des Gedichts Selbst lll/88 Rühmkorfs aufwändigen Arbeitsprozess.
Zusammen mit ›Hölderlin, Celan und die Sprachen der Poesie‹ verwandelt die Ausstellung die Marbacher Literaturmuseen bis zum 1. August 2021 in einen Ort, an dem die kleine literarische Form des Gedichts die Hauptrolle spielt und Besucher auf Poesie in unterschiedlichsten Erscheinungsweisen treffen – gereimt und gezählt, bewegt und still, laut und zart, dunkel und leuchtend.
Eröffnung 27. September 2020 

www.dla-marbach.de