Mit der Ausstellung „The World Through AI“ widmet sich die SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT einem der prägendsten Phänomene der Gegenwart: der tiefgreifenden Transformation visueller Kultur durch künstliche Intelligenz. Vom 11. Juni bis 20. September 2026 entfaltet sich in der ehemaligen Dondorf Druckerei eine groß angelegte Themenausstellung, die KI nicht nur als technologische Entwicklung, sondern als kulturelle, politische, ökologische und psychologische Kraft begreift.

Im Zentrum steht die Frage, wie sich unser Blick auf die Welt verändert, wenn Bilder zunehmend nicht mehr ausschließlich von menschlichen Händen, sondern von maschinellen Systemen erzeugt, bearbeitet, beschrieben und verbreitet werden. Die Ausstellung reagiert damit auf eine Situation, in der visuelle Realität selbst zunehmend instabil wird – geprägt von Algorithmen, Trainingsdaten und unsichtbaren Infrastrukturen.
„The World Through AI“ versammelt rund 40 Werke internationaler Künstler:innen aus den letzten zehn Jahren bis in die unmittelbare Gegenwart, darunter zahlreiche Neuproduktionen. Gezeigt werden Videoarbeiten, Installationen, Skulpturen, Fotografien und digitale Bildsysteme von Positionen wie Hito Steyerl, Trevor Paglen, Agnieszka Kurant, Holly Herndon & Mat Dryhurst, Kate Crawford & Vladan Joler, Sasha Stiles, Nora Al-Badri, Julian Charrière oder Grégory Chatonsky. Gemeinsam ist ihnen ein kritischer, oft spekulativer Blick auf die Bedingungen maschineller Wahrnehmung.

Daniel Felstead & Jenn Leung, Welcome to Jankspace, Babes, 2025, Digital Video, HD, Farbe, Stereo-Sound, 29:07 Min. © Courtesy of the artists

Daniel Felstead & Jenn Leung, Welcome to Jankspace, Babes, 2025, Digital Video, HD, Farbe, Stereo-Sound, 29:07 Min. © Courtesy of the artists

Die Ausstellung ist dabei nicht als reine Werkpräsentation konzipiert, sondern als räumlich-gedankliche Kartografie. In siebzehn Themenbereichen entfaltet sich ein Parcours, der von den technischen Grundlagen künstlicher Intelligenz bis zu ihren gesellschaftlichen Konsequenzen reicht. Fragen nach Ressourcenverbrauch, Umweltfolgen, Arbeit und Datenextraktion stehen ebenso im Fokus wie Themen der Gesichtserkennung, Emotionserfassung, maschinellen Imagination oder Erinnerung.
Besonders eindrücklich ist die Auseinandersetzung mit neuen Formen visueller Manipulation. Begriffe wie „AI Slop“ oder „Slopaganda“ beschreiben die Flut synthetischer Bilder, die zunehmend politische Diskurse beeinflussen und die Grenze zwischen Information und Simulation verwischen. Die Ausstellung macht diese Entwicklungen nicht nur sichtbar, sondern erfahrbar – als Teil einer Bildwelt, in der Wahrheit selbst verhandelbar geworden ist.
Ergänzt wird der Rundgang durch sogenannte ZEITKAPSELN, die historische Tiefenschichten eröffnen. Medienarchäologische Objekte, technische Apparate, Drucke und Archivmaterialien erzählen von den Vorgeschichten heutiger KI-Systeme – von frühen Formen der Datenspeicherung über die Geschichte des maschinellen Sehens bis hin zu den Ursprüngen von Gesichts- und Emotionserkennung in physiognomischen Theorien. Auch die Geschichte der ehemaligen Dondorf Druckerei selbst wird einbezogen: als Ort industrieller Bildproduktion, der heute zum temporären Ausstellungsraum der SCHIRN geworden ist.
So entsteht ein vielschichtiges Panorama, das Gegenwart nicht isoliert betrachtet, sondern historisch rückbindet und in größere Zusammenhänge stellt. „The World Through AI“ zeigt KI nicht als fernes Zukunftsszenario, sondern als bereits wirksame Realität – als System, das unsere Wahrnehmung formt, unsere Bilder produziert und unsere Vorstellung von Welt grundlegend verändert.
11. Juni bis 20. September 2026
www.schirn.de

Hito Steyerl, Mechanical Kurds, 2025, Einkanal-Videoinstallation, HD, Farbe, Ton, 13 Min. © Courtesy of the artist, the Andrew Kreps Gallery, New York, and Esther Schipper, Berlin/Paris/Seoul, VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Hito Steyerl, Mechanical Kurds, 2025, Einkanal-Videoinstallation, HD, Farbe, Ton, 13 Min. © Courtesy of the artist, the Andrew Kreps Gallery, New York, and Esther Schipper, Berlin/Paris/Seoul, VG Bild-Kunst, Bonn 2026