Vom 14. Juni 2025 bis zum 2. Februar 2026 zeigt das Centre Pompidou-Metz in enger Zusammenarbeit mit dem Musée du Louvre eine Ausstellung, die ein traditionsreiches, aber zugleich hochaktuelles Thema beleuchtet: die Kopie in der Kunst. Unter dem Titel Kopisten werden Vergangenheit und Gegenwart, Handwerk und digitale Innovation, Lernen und Neuschaffen in einen produktiven Dialog gebracht.
Seit Jahrhunderten gehört das Kopieren zu den Fundamenten künstlerischer Ausbildung. Wer einen Meister kopiert, eignet sich dessen Techniken an, begreift den Kanon und gewinnt Zugang zu dessen kreativer Kraft. Cézanne bezeichnete den Louvre als „großes Buch, in dem wir zu lesen lernen“ – bis heute ist das Pariser Museum ein zentraler Bezugspunkt. Als einziges Haus verfügt es noch über ein offizielles Kopistenatelier, in dem Generationen von Künstlerinnen und Künstlern arbeiteten. Doch während die Moderne die Kopie abwertete und den Bruch mit der Tradition suchte, erlebt die Praxis heute eine neue Aktualität. Das digitale Zeitalter hat die Frage nach Original und Nachahmung radikal verändert: Unendliche Vervielfältigung, 3D-Scans, virtuelle Welten oder Games eröffnen neue Formen der „Kopie“. Zugleich kehren viele zeitgenössische Malerinnen und Maler zur Gegenständlichkeit zurück und lassen sich bewusst von alten Meistern inspirieren. Kopieren ist damit nicht bloße Wiederholung, sondern kreative Aneignung, Transformation und Reflexion.

Fabienne Verdier, Annonciation, 2025, Acryl und Mischtechnik auf Metallblech, 160 x 292 cm © Adagp, Paris, 2025, Foto: © Inès Dieleman
Für die Ausstellung Kopisten wurden rund hundert Künstlerinnen und Künstler eingeladen, im Louvre Werke zu wählen und sie nach ihren eigenen Vorstellungen zu kopieren. Entstanden ist eine beeindruckende Vielfalt: Malerei und Zeichnung, Skulptur, Video, Design und Literatur nähern sich den Originalen auf ganz unterschiedliche Weise. Die szenografische Gestaltung greift dabei Ideen Carlo Scarpas auf, der museale Präsentationen immer als ästhetische Erfahrungen inszenierte. So entsteht ein Rundgang, der alle Epochen von der Antike bis zur Gegenwart berücksichtigt und das Nebeneinander der Zeiten sichtbar macht.
Die Ausstellung ist weit mehr als ein kunsthistorischer Rückblick. Sie zeigt, dass das Kopieren heute nicht als Gegensatz zum Schaffen verstanden werden muss, sondern als Erweiterung. Im Spannungsfeld von Original und Kopie entfalten sich neue Sichtweisen auf unser kulturelles Erbe, das sich untrennbar mit der aktuellen Kunstproduktion verbindet. Kopisten wird so zu einer Meditation über das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart, von Tradition und Innovation, von Bild und Macht.
Begleitet wird die Schau von einem Katalog, gestaltet vom renommierten Pariser Studio M/M. Neben Essays der Kuratoren kommen der Kunsthistoriker Jean-Pierre Cuzin sowie alle beteiligten Künstlerinnen und Künstler selbst zu Wort – ein facettenreicher Diskurs über das Kopieren als Praxis des Lernens, des Widerstands und der Erneuerung.
14. Juni 2025 bis zum 2. Februar 2026
www.centrepompidou-metz.fr

Jeff Koons, (Sleeping Hermaphrodite) Gazing Balls, 2025, Gips und Glas, 60,6 x 179,5 x 100,3 cm, Edition 1 of an edition of 3 plus 1 AP © Jeff Koons
















