Zum 15. Geburtstag des Centre Pompidou-Metz schenkt sich das Museum selbst – und seinem Publikum – eine Ausstellung, die ihresgleichen sucht. Unter dem Titel Unendlicher Sonntag entfaltet sich ein Parcours, der das gesamte Haus umfasst und über 400 Werke aus den Sammlungen des Centre Pompidou mit 40 Arbeiten des italienischen Konzeptkünstlers Maurizio Cattelan in Beziehung setzt. Herausgekommen ist ein faszinierendes Geflecht aus Geschichte und Gegenwart, Ironie und Ernst, Subversion und Melancholie.

Die Ausstellung folgt einem ABC, das wie ein imaginäres Wörterbuch durch die Kunst- und Ideengeschichte führt. Bekannte Ikonen treffen auf bislang selten gezeigte Stücke; Unerwartetes mischt sich mit Vertrautem. Das immersive Ausstellungsdesign des Architektenduos Berger&Berger verwandelt das Gebäude von Shigeru Ban und Jean de Gastines in eine kreisförmige Erzählung, die Zeitzyklen spiegelt und den Besucherinnen und Besuchern eine Art endlosen Rundgang eröffnet – wie in einem Sonntag ohne Ende, zwischen Freiheit und Zwang, Orientierung und Verweilen.
Cattelan, berühmt für seine respektlosen wie tiefgründigen Arbeiten, bringt seine Handschrift in jedes Detail der Schau ein. Er durchleuchtet die Mythologien unserer Gegenwart, stellt Autoritäten in Frage und konfrontiert uns mit den Brüchen unserer Gesellschaft. Sein Blick ist dabei von einer eigentümlichen Mischung aus Scharfsinn und Wehmut geprägt, die das Projekt weit über eine klassische Sammlungsausstellung hinaushebt.

Maurizio Cattelan, Spermini, 1997, Bemalte Latexmasken, 17,5 x9 x 10 cm (jede)Courtesy Maurizio Cattelan’s Archive, Photo: © Attilio Maranzano

Maurizio Cattelan, Spermini, 1997, Bemalte Latexmasken, 17,5 x9 x 10 cm (jede)
Courtesy Maurizio Cattelan’s Archive, Photo: © Attilio Maranzano

Besonders bemerkenswert: In den Saaltexten kommen nicht nur der Künstler selbst, sondern auch Insassinnen des Frauengefängnisses Giudecca in Venedig zu Wort. Ihre Stimmen, ergänzt durch Beiträge von Inhaftierten aus Metz, die eigens als Ausstellungsguides geschult wurden, verleihen der Schau eine außergewöhnliche Dimension der Teilhabe. Das begleitende Buch – gestaltet von Irma Boom – ist weniger Katalog als Autobiografie Cattelans, ein weiterer Bruch mit Konventionen, der die persönliche und künstlerische Reflexion in den Mittelpunkt stellt.
Unendlicher Sonntag ist damit nicht nur Jubiläumsausstellung, sondern auch ein Manifest dafür, was ein Museum heute sein kann: ein Ort der Begegnung, der Reibung, des Dialogs. Fünfzehn Jahre nach der Eröffnungsschau Chefs-d’œuvre? erreicht das Centre Pompidou-Metz mit dieser Kooperation einen neuen Höhepunkt – und eröffnet seinem Publikum ein Labyrinth aus Bildern, Geschichten und Fragen, das noch lange nachhallt.

Sonia Delaunay, Le Bal Bullier, 1913, Öl auf Leinwand, 97 x 390 cm, Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, AM 3307 P © Pracusa S.A. / Photo: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Audrey Laurans/Dist. GrandPalaisRmn

Sonia Delaunay, Le Bal Bullier, 1913, Öl auf Leinwand, 97 x 390 cm, Centre Pompidou, Musée national d’art moderne, AM 3307 P © Pracusa S.A. / Photo: Centre Pompidou, MNAM-CCI/Audrey Laurans/Dist. GrandPalaisRmn

Unendlicher Sonntag bietet eine immersive Erfahrung der Sammlung durch eine Vielzahl unterschiedlicher Medien, darunter Malerei, Skulptur, Zeichnung, Fotografie, Installation, Video und Film – in einem neuartigen Dialog mit der Welt von Maurizio Cattelan. Als bedeutender zeitgenössischer Künstler bringt Maurizio Cattelan seine scharfsinnige und unkonventionelle Herangehensweise in die Ausstellung ein und verleiht der prestigeträchtigen Sammlung eine neue Dimension.
8. Mai 2025 bis 1. Februar 2027
www.centrepompidou-metz.fr