Erinnerung, Verlust und die Suche nach Wahrheit: Die Kammeroper „Der Elefant im Weißen Meer“ erzählt von einer jungen Frau, die sich auf die Spur ihres verschwundenen Urgroßvaters begibt – und dabei auf die verdrängten Kapitel der Geschichte des Stalinismus stößt.

Im Mittelpunkt der Kammeroper „Der Elefant im Weißen Meer“ steht Liza Switlytschna, die mehr über das Schicksal ihres Urgroßvaters erfahren möchte, der in den 1930er-Jahren spurlos verschwand. Ihre einzige mögliche Quelle ist die Großmutter, deren Erinnerungen jedoch zunehmend von Demenz überlagert werden. Trotz der bruchstückhaften Erzählungen versucht Liza, die Geschichte ihrer Familie zu rekonstruieren.

Ihre Recherche führt sie schließlich nach Sandarmoch in den Wäldern Kareliens – einem Ort, an dem Tausende Opfer der sogenannten stalinistischen Säuberungen in Massengräbern begraben liegen. Dort hatte der Historiker und Menschenrechtsaktivist Juri Dmitrijew die sterblichen Überreste zahlreicher Ermordeter entdeckt. Was als persönliche Spurensuche beginnt, entwickelt sich zu einer Auseinandersetzung mit einem kollektiven Trauma: dem „Großen Terror“ der 1930er-Jahre.

Die Musik von Yana Shliabanska entfaltet in kammermusikalischer Besetzung eine dichte, intime Atmosphäre. Stimmen treten oft leise und fragmentarisch hervor, Szenen entstehen in engen, konzentrierten Räumen. So entsteht eine klangliche Nähe, die das Publikum unmittelbar in Lizas Erinnerungsreise hineinzieht.

Die ukrainische Regisseurin Anastasiia Vervejko entwickelte Konzept und Libretto der Oper. Für sie ist „Der Elefant im Weißen Meer“ ein Werk über das Erinnern – über die Unmöglichkeit, Geschichte endgültig zu verdrängen, und über die Verantwortung, sich der Vergangenheit zu stellen. Aus der Suche nach einem einzelnen Menschen entsteht so ein eindringliches Musiktheater über Erinnerung, Verlust und historische Wahrheit.
Uraufführung 15. Mai
weitere Aufführungen: 16. und 29. Mai, 5. Juni 2026

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