Mit der Sonderausstellung Fritz Klee – Ein Selber wider Willen? widmet sich das Porzellanikon Selb einer Persönlichkeit, die die Entwicklung der Stadt Selb und ihrer Porzellanindustrie nachhaltig geprägt hat. Im Zentrum steht der Architekt, Grafiker und Kunstgewerbler Fritz Klee, dessen Lebensweg eindrucksvoll zeigt, wie aus anfänglicher Zurückhaltung eine prägende Rolle im kulturellen Gefüge einer ganzen Region entstehen kann.

Sein eigener Satz „Ich fuhr meinem Schicksal entgegen!“ verweist bereits auf die Ambivalenz seines Wirkens: Ursprünglich aus München kommend, führte ihn sein Weg 1908 in den damals als provinziell empfundenen Ort Selb. Doch aus dieser vermeintlichen Randlage heraus entwickelte Klee eine bemerkenswerte Wirkungskraft. Als Direktor der neu gegründeten Fachschule für Porzellanindustrie gestaltete er nicht nur die Ausbildung zahlreicher Fachkräfte, sondern trug auch entscheidend zur ästhetischen und technischen Weiterentwicklung der regionalen Porzellanproduktion bei.

Papagei, Entwurf Prof. Fritz Klee, 1919, Lorenz Hutschenreuther AG, Abteilung für Kunst, Selb, Sammlung Helga Schalk-Thielmann © Foto Porzellanikon, Medienagentur Jahreiß, Fotograf Manfred Jahreiß

Papagei, Entwurf Prof. Fritz Klee, 1919, Lorenz Hutschenreuther AG, Abteilung für Kunst, Selb, Sammlung Helga Schalk-Thielmann © Foto Porzellanikon, Medienagentur Jahreiß, Fotograf Manfred Jahreiß

Die Ausstellung zeichnet diese Entwicklung anhand eines biografischen Zugangs nach und verbindet persönliche Lebensstationen mit übergeordneten kulturhistorischen Kontexten. Sie zeigt, wie eng Klees Wirken mit dem industriellen und gesellschaftlichen Wandel Selbs verknüpft war – von den rauen Arbeitsbedingungen in den Fabriken bis hin zu den kulturellen Bestrebungen einer aufstrebenden Stadtgesellschaft.
Mehr als 150 Exponate machen diese Geschichte greifbar. Originalentwürfe Klees, historische Porzellane aus der Fachschule sowie Objekte aus privaten und institutionellen Sammlungen eröffnen einen vielfältigen Einblick in sein gestalterisches Schaffen. Ergänzt wird die Präsentation durch bedeutende Leihgaben, unter anderem aus dem Württembergisches Landesmuseum Stuttgart, der Sammlung Puppentheater/Schaustellerei des Münchner Stadtmuseum sowie dem Staatlichen Beruflichen Schulzentrum für Produktdesign und Prüftechnik in Selb. Neben dem künstlerischen Werk rückt auch Klees architektonische Tätigkeit in den Fokus. Bauten wie der Selber Bahnhof zeugen von seinem gestalterischen Einfluss im öffentlichen Raum und prägen bis heute das Stadtbild. Gleichzeitig vermittelt die Ausstellung Einblicke in das gesellschaftliche Leben jener Zeit – von industriellen Strukturen bis hin zur sogenannten Selber High Society, die sich im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne bewegte.
Anlässlich des 600-jährigen Stadtjubiläums von Selb wird die Ausstellung zu einer Art Zeitreise, die nicht nur eine individuelle Biografie nachzeichnet, sondern auch ein Stück Stadt- und Kulturgeschichte sichtbar macht. Zwischen Entwurf, Handwerk und gesellschaftlichem Wandel entfaltet sich so ein facettenreiches Porträt eines Mannes, der – wider Willen – zu einer der prägenden Figuren seiner neuen Heimat wurde.
9. Mai bis 15. November 2026
www.porzellanikon.org

Dose mit Schneckenknauf, Entwurf Prof. Fritz Klee, vor 1918, Lorenz Hutschenreuther AG, Abteilung für Kunst, Selb, Sammlung Helga Schalk-Thielmann © Foto Porzellanikon, Medienagentur Jahreiß, Fotograf Manfred Jahreiß

Dose mit Schneckenknauf, Entwurf Prof. Fritz Klee, vor 1918, Lorenz Hutschenreuther AG, Abteilung für Kunst, Selb, Sammlung Helga Schalk-Thielmann © Foto Porzellanikon, Medienagentur Jahreiß, Fotograf Manfred Jahreiß