Zwei Tage zwischen Avantgarde, Klassik, Jazz und Experiment: Das Bauhaus Music Festival in Berlin lädt dazu ein, die Grenzen unserer Wahrnehmung neu zu entdecken.

Wie klingt die Farbe Gelb? Welche Bewegung steckt in einem Ton, und lässt sich Musik als räumliches Erlebnis erfahren? Mit dem Bauhaus Music Festival 2026 widmet sich Berlin am 13. und 14. November einem faszinierenden Gedanken der Moderne: der Synästhesie, dem Zusammenspiel verschiedener Sinneswahrnehmungen. Unter dem Titel „Ich fühle Luft von anderem Planeten“ verbindet das Festival Musik, bildende Kunst, Körper und Bewegung zu einem vielschichtigen Programm zwischen Tradition und Experiment.
Das Zitat von Arnold Schönberg steht sinnbildlich für den Aufbruch zu neuen Klangwelten. Es verweist auf eine Musik, die vertraute Harmonien und Ordnungen hinter sich lässt und ungewohnte Wege des Hörens eröffnet. In der St. Elisabeth-Kirche treffen Werke unterschiedlicher Epochen aufeinander, während Workshops im Temporary Bauhaus-Archiv dazu einladen, die Verbindung von Klang, Farbe und Bewegung selbst praktisch zu erforschen.

Auf dem Weg zum Gesamtkunstwerk
Den Auftakt bildet am 13. November ein Konzert, das verschiedene Vorstellungen vom Gesamtkunstwerk zusammenführt – ein Ideal, das auch am historischen Bauhaus eine wichtige Rolle spielte. Die Sopranistin Juliane Banse und das Deutsche Kammerorchester Berlin unter der Leitung von Karl-Heinz Steffens präsentieren Werke von Lyonel Feininger, Richard Wagner, Arnold Schönberg und Stefan Wolpe. Die Auswahl spannt einen Bogen zwischen romantischer Tradition, musikalischer Moderne und avantgardistischem Denken.

„Kandinsky Synths“ © Dennis Fuchs

„Kandinsky Synths“ © Dennis Fuchs

Kandinsky hören, Farben bewegen
Am 14. November verlagert sich das Festival auch in die praktische Auseinandersetzung mit den Ideen des Bauhauses. Im Workshop „Kandinsky Synths“ werden Farben und Formen nach Wassily Kandinskys Lehren mithilfe selbst gebauter Mini-Synthesizer in Klänge übersetzt. Elektronische Schaltungen und Upcycling-Materialien verbinden künstlerische Inspiration mit technischem Experiment.
Der Workshop „Linke Hand Gelb!“ knüpft an die Harmonisierungslehre von Gertrud Grunow an. Am Bauhaus untersuchte sie, wie Farben, Klänge und Körperbewegungen miteinander in Beziehung treten. Die Teilnehmenden erkunden, welche Bewegungen Farben auslösen können und wie sich körperliche Empfindungen in Töne übersetzen lassen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich – gefragt sind Neugier und Freude am Ausprobieren.

Kurt Schmidt, Der Mann am Schaltbrett, um 1924, Tempera, Tusche und Silberbronze, 34 x 50,5 cm, Bauhaus-Archiv Berlin

Kurt Schmidt, Der Mann am Schaltbrett, um 1924, Tempera, Tusche und Silberbronze, 34 x 50,5 cm, Bauhaus-Archiv Berlin

Von Debussy bis Duke Ellington
Auch das Konzertprogramm des zweiten Festivaltages folgt dem Leitmotiv „Klang als Farbe, Farbe als Klang“. Die Pianistin Yu Kosuge interpretiert Werke von Aleksandr Skrjabin, Franz Liszt, Tōru Takemitsu und Claude Debussy, deren Musik unterschiedliche Klangfarben und atmosphärische Räume eröffnet.
Ein weiterer Höhepunkt ist Olivier Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“. Inspiriert von Vogelrufen und geprägt von ungewöhnlichen Rhythmen, stellt das Werk gewohnte Vorstellungen von musikalischer Zeit infrage. Zum Abschluss bringt die Bauhaus Music Big Band unter Karl-Heinz Steffens Musik von Duke Ellington auf die Bühne. Jazz, musikalische Vielfalt und die Geschichte des Bauhauses begegnen sich in einem energiegeladenen Finale.
Das Bauhaus Music Festival zeigt, wie aktuell die Ideen der historischen Avantgarde geblieben sind. Es lädt dazu ein, Musik nicht nur zu hören, sondern als sinnliches Gesamterlebnis wahrzunehmen – offen, experimentierfreudig und jenseits vertrauter Grenzen.
13. und 14. November 2026
www.bauhaus.de