Die Hamburger Kunsthalle veranschaulicht mit ca. 200 Druckgraphiken, Zeichnungen, Gemälden, Fotografien und Büchern aus eigenem Bestand die einzigartige Wirkung von Raffael (1483–1520), der zu den herausragenden Künstlern der Renaissance zählt. Raffael war der Superstar einer Epoche, der in seinem kurzen Leben von Erfolg zu Erfolg eilte und von höchsten Würdenträgern wie den Päpsten mit ehrenvollen Aufträgen überhäuft wurde. Mit seinen Gemälden und Fresken setzte er nicht nur für seine Zeit, sondern für Jahrhunderte die Maßstäbe der europäischen Kunst. Einen Höhepunkt der Ausstellung stellen fünf eigenhändige Zeichnungen Raffaels aus dem Besitz des Kupferstichkabinetts der Hamburger Kunsthalle dar. Sie wurden eigens für die Präsentation mit modernsten technischen Mitteln untersucht und werden aufgrund ihrer Empfindlichkeit nur äußerst selten ausgestellt. Diese Figurenstudien belegen Raffaels Meisterschaft der genauen Naturbeobachtung und Beherrschung verschiedener Zeichenmaterialien nachdrücklich.
Neben diesen wertvollen Blättern, die bedeutende Vorstudien für Malereien, etwa im Vatikan sind, präsentiert die Schau RAFFAEL eine umfangreiche Auswahl der wichtigsten Beispiele an Reproduktionsgraphiken: Kein anderer Künstler erzielte eine derart weitreichende Wirksamkeit wie Raffael, kaum ein anderer genoss eine gleichsam heiligmäßige Verehrung wie »il Divino« (der Göttliche). Diese enorme Wirkung äußert sich vor allem in zahlreichen Arbeiten, die nach den Werken des Künstlers geschaffen wurden. Es war Raffael selbst, der die Verbreitung seiner Bildideen mit Graphiken initiierte, ein Verfahren, welches mehr als dreihundertfünfzig Jahre hindurch reichste Nachfolge fand. Zu sehen sind herausragende Interpretationen von Raffaels Meisterwerken, etwa der Schule von Athen, der Sixtinischen Madonna und der Transfiguration. Ausgestellt werden zudem zahlreiche Handzeichnungen nach Raffaels Kompositionen, etwa von Philipp Otto Runge. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts übernahm die aufkommende Fotografie allmählich die Hauptrolle in der Verbreitung von Raffaels Bilderfindungen. In der Schau sind faszinierende Beispiele aus der Frühzeit auch dieses Mediums zu sehen.
Veranschaulicht wird zudem an ausgewählten Werken der Einfluss Raffaels auf andere Künstler. Gezeigt werden prägnante Gemälde, etwa Jean-Baptiste Regnaults Schlüsselwerk zur französischen Revolution Freiheit oder Tod (1794/95) und Johann Friedrich Overbecks Der Triumph der Religion in den Künsten (1840). Bei diesen Werken handelt es sich in der Regel nicht um direkte Kopien, sondern um subtile Anverwandlungen der Ideen Raffaels. Zudem werden Raffaels Bildnis und sein (Nach-)Leben in ausgewählten Werken vorgestellt, darunter die Darstellungen aus dem Leben des Künstlers von den Brüdern Franz und Johannes Riepenhausen aus den Jahren 1816 und 1833 und die bedeutende zeichnerische Darstellung seines Todes von Nicolas-André Monsiau (1806) sowie das 1867 vollendete Standbild Raffaels an der Hauptfassade des Gründungsbaus der Kunsthalle. Diese Kunstwerke belegen, welch immense Wertschätzung der Künstler über Jahrhunderte hindurch und besonders im 19. Jahrhundert genoss.
Die Ausstellung wurde im Jahr 2020 aus Anlass des 500. Todestages des Künstlers zusammengestellt, aufgrund der Corona-Pandemie aber nicht in diesem Jubiläumsjahr gezeigt. Bei RAFFAEL. Wirkung eines Genies handelt es sich um eine der umfangreichsten Ausstellungen in Europa im Zusammenhang mit dem großen Raffael-Jubiläum.
4. Juni 2021 bis 26. September 2021

www.hamburger-kunsthalle.de