Mit CaccHho CucchhA verwandelt Mercedes Azpilicueta den frei zugänglichen Seitenlichtsaal des Kunstmuseum Liechtenstein in Vaduz vom 3. Mai bis 22. November 2026 in einen poetischen Erfahrungsraum. Die Künstlerin, 1981 im argentinischen La Plata geboren, entwickelt eine Installation, die nicht auf Betrachtung aus Distanz setzt, sondern auf unmittelbare Beteiligung: Kinder und Erwachsene sind eingeladen, zu spielen, zu hören, sich zu bewegen und gemeinsam Geschichten zu erfinden.
Schon der rätselhafte Titel verweist auf die Grundidee der Arbeit. „Cacho“ beschreibt im argentinischen Spanisch ein übrig gebliebenes Stück Zeit, etwas Unverplantes, Offenes. „Cucha“ wiederum meint einen Unterschlupf oder sicheren Ort. Azpilicueta entwirft daraus einen Gegenraum zu produktivitätsorientierten Alltagslogiken – einen Ort, an dem zweckfreies Spiel als kreative, soziale und emanzipatorische Handlung verstanden wird.
Im Zentrum der Installation steht ein großformatiger Wandteppich, der wie ein offenes Bilderbuch unterschiedliche Ebenen miteinander verwebt: Fotografien spielender Kinder in Gaza treffen auf Zeichnungen der Künstlerin sowie auf Bildmaterial der legendären Spielskulpturen des niederländischen Architekten Aldo van Eyck. Dieser entwickelte nach dem Zweiten Weltkrieg in Amsterdam zahlreiche Spielplätze, die er als soziale Kristallisationspunkte mitten in der Stadt verstand. Seine Idee eines offenen, gemeinschaftlichen Stadtraums findet in Azpilicuetas Arbeit eine zeitgenössische Fortsetzung.

Mercedes Azpilicueta. CaccHho CucchhA, Ausstellungsansicht, Foto: Sandra Maier © Kunstmuseum Liechtenstein
Der Ausstellungsraum selbst wird zur Bühne kollektiver Erfahrung. Metallene Plattformen und Strukturen laden zum Klettern, Balancieren und Entdecken ein. Skulpturale Kostüme erzeugen durch Bewegung leise Geräusche und verändern die Körperwahrnehmung ihrer Träger:innen. Als rasselnde Wurzeln, springende Seepocken oder kratzende Zikaden erschaffen Besucher:innen gemeinsam Klanglandschaften und spontane Erzählungen. Naturmotive, Tierfabeln, Migrationserfahrungen und Körperwissen fließen dabei ineinander.
Für die Vaduzer Präsentation entwickelte Azpilicueta eigens eine neue Werkserie mit Fokus auf die Unterwasserwelt. Inspiriert von Plankton, Korallen, Quallen und Dinoflagellaten entstanden fünf Figuren speziell für jüngere Kinder: Cha Cha Medusa, Tac Tac Plankton, Din Din Marin, Co Co Coral und Sea Sea Spongy. Ergänzt wird die Installation durch einen handgetufteten Teppich, der in Zusammenarbeit mit einer Weberei in Burgund gefertigt wurde und verschiedene Korallenriffe assoziiert.
Die Ausstellung wurde ursprünglich von de Appel in Amsterdam initiiert und für das Kunstmuseum Liechtenstein weiterentwickelt. Neu hinzu kommen zwei gestickte Teppiche des in Vaduz geborenen Künstlers Ferdinand Nigg, der Anfang des 20. Jahrhunderts zu den bedeutenden Erneuerern der Stickkunst zählte. Damit erweitert das bisherige Projekt kollabor. Kunst+Raum für kleine Kinder seinen Fokus: Neben Kindern von null bis vier Jahren richtet sich das Angebot nun verstärkt auch an Vier- bis Zwölfjährige – und öffnet zugleich neue Perspektiven auf Kunst als gemeinschaftlichen Erfahrungsraum.
3. Mai bis 22. November 2026
www.kunstmuseum.li

Mercedes Azpilicueta. CaccHho CucchhA, Ausstellungsansicht, Foto: Sandra Maier © Kunstmuseum Liechtenstein
















