Die Sammlung Kunst Museum Winterthur spannt den Bogen vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Im Laufe der Zeit verbanden sich bedeutende historische Kollektionen unter einem Dach: die Bestände des 1848 gegründeten Kunstvereins, die Stiftung Oskar Reinhart mit ihrem Schwerpunkt auf der Deutschen Romantik sowie die Spezialsammlungen Jakob Briner und Emil S. Kern, die nebst Werken des Goldenen Zeitalters der niederländischen Malerei auch eine umfassende Miniaturenkollektion beherbergen. Damit wird die Kunstgeschichte beinahe lückenlos vom Barock bis in die Gegenwart erlebbar: von Rembrandt bis Caspar David Friedrich, von Albert Anker und Ferdinand Hodler bis zu den Impressionisten und von Pablo Picasso bis zu Gerhard Richter.

Sonderausstellungen 2021:
Expressionismus Schweiz
Mit über 120 Werken von mehr als 40 Künstlerinnen und Künstlern präsentiert das Kunst Museum Winterthur eine grosse Überblicksschau zum Expressionismus in der Schweiz. Die Ausstellung mit Kunstwerken aller vier Landesteile ermöglicht es, die bahnbrechende Strömung des 20. Jahrhunderts umfassend zu erleben und bisher wenig beachtete Künstler neu zu entdecken.
Der Expressionismus gehört zu den wichtigsten und einflussreichsten Kunstströmungen der Schweiz im 20. Jahrhundert. Wie in Deutschland und Frankreich, wo mit Expressionismus, Fau­vismus, Kubismus und Futurismus neue Experimente gewagt wurden, griffen auch Schweizer Künstlerinnen und Künstler zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu der neuen Formensprache, die von einer zuweilen ungehemmten Farbigkeit geprägt war. Nicht mehr das Abbild der realen Welt, sondern das eigene Innere zu befragen und subjektive Gefühlswelten auszudrücken, war ihr Ziel.
Angesichts der historischen Umwälzungen des Ersten Weltkriegs, des Landesstreiks und der russischen Revolution schienen die althergebrachten bürgerlichen Normen versagt zu haben – eine frische, wilde und radikale Kunst war hierauf die Antwort. In Künstlergruppen vereint und gleichzeitig stets als Individuen agierend, experimentierten die Künstlerinnen und Künstler mit leuchtenden Farben und expressiven Formen. Nebst sozialkritischen Inhalten und der Identi­tätssuche im Selbstporträt setzten sie sich auch mit zeitlosen Themen wie dem Stillleben und der heimatlichen Landschaft auseinander.
Zürich zog als pulsierende Grossstadt junge Kunstschaffende an, und Basel wurde in den 1920er Jahren mit der Gruppe «Rot-Blau» zu einem späten, aber wichtigen Zentrum des Expressionis­mus. Hier war insbesondere das Werk von Ernst Ludwig Kirchner vorbildhaft, der sich 1918 in Davos niedergelassen hatte und dort sein Schaffen unter dem Eindruck der Schweizer Bergwelt neu ausrichtete.
Prominent vertreten sind die bisher wenig beachteten Regionen der Romandie und des Tessins. Die Westschweiz, traditionell nach Frankreich bzw. Paris orientiert, blieb in der Rezeption des Fauvismus zurückhaltend, hatte aber mit Hans Berger und Alice Bailly zwei gewichtige Vertre­ter der expressiven Avantgarde. Das Tessin wiederum wurde zu einem Rückzugsort nicht nur für einheimische Kunstschaffende, die dort der bürgerlichen Enge zu entfliehen suchten, son­dern auch für internationale Künstlerinnen und Künstler. Zu ihnen gehörten unter anderen Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin sowie die Mitglieder der wenig bekannten Künstlergruppe «Orsa Maggiore».
Die Ausstellung im Kunst Museum Winterthur zeigt auf zwei Geschossen über 120 Werke aus den verschiedenen Kunstregionen. Neben bedeutenden Ölgemälden und Plastiken werden auch zahlreiche Zeichnungen und Druckgrafiken zu sehen sein.Im Anschluss wird die Ausstellung in abgeänderter Form in der Kunsthalle Vogelmann der Städtischen Museen Heilbronn zu sehen sein.
10. Juli 2021 bis 16. Januar 2022, Reinhart am Stadtgarten

Jackson Pollock
Zu Gast im Kunst Museum Winterthur
Jackson Pollock (1912 – 1956) ist der herausragende Vertreter der amerikanischen Nachkriegsmalerei. Bekannt wurde er durch seine Action Paintings und Drippings. Er spritzte die Farbe mit dem Pinsel auf die am Boden liegende Leinwand. Die radikale Freisetzung des Malprozesses verwandelte den Bildträger zur Arena von Aktion, Energie und Spontanität, traditionelle Kompositionsregeln wichen einer Allover-Struktur. Neben dem Gemälde Number 23 (1949) darf das Kunst Museum Winterthur aufgrund glücklicher Umstände während des Sommers die einzige Skulptur Pollocks, ein Selbstbildnis, im Kontext der Kunst seiner Zeit beherbergen.
bis 1. August 2021, beim Stadthaus

Jackson Pollock, Number 23, 1949, Courtesy Jason McCoy Inc. © Pollock-Krasner Foundation / 2021, ProLitteris, Zürich

Jackson Pollock, Number 23, 1949, Courtesy Jason McCoy Inc. © Pollock-Krasner Foundation / 2021, ProLitteris, Zürich

Moment.Monument
Aspekte zeitgenössischer Skulptur
Ein Monument – vom Lateinischen monere erinnern; monumentum Denk-mal – ist ein bedeutendes «Denkmal von grossen Massen», ein von Menschenhand gefertigtes Bau- oder Kunstwerk. Im engeren Sinne bezeichnet Monument ein Denk- oder Mahnmal und erinnert an eine historische Persönlichkeit oder ein geschichtliches Ereignis. Stets indes beansprucht das Monument Bedeutung und Gültigkeit.
Monumente finden sich in der zeitgenössischen Kunst, obwohl Marcel Duchamp mit seinen Ready-Mades die Wertigkeiten der bildenden Kunst radikal dekonstruierte und spätestens seit den 1960er Jahren sich ein erweiterter Skulpturbegriff etablierte. Dieser brach das traditionelle Verständnis des Kunstwerkes als Artefakt zugunsten prozesshafter Ansätze auf, welche jede Dimension ewiger Gültigkeit infrage stellten.
Skulptur heute greift die formalen Möglichkeiten der Vergangenheit auf, bestimmt sie indes für die Gegenwart inhaltlich neu. Im Gegensatz zu damals geht es heute weniger um eine kulturelle und gesellschaftliche Revolution, um ein Überwinden eines künstlerischen Kanons, sondern eher um deren inhaltliche und materielle Neubestimmung. Künstlerische Ansätze müssen sich nicht mehr erst als radikaler Bruch mit der Tradition behaupten, sondern bauen auf den formalen Recherchen der Vergangenheit auf, verbinden diese mit den Erfahrungen von heute und schaffen Werke, die von einer eigenen Sensibilität getragen sind. Kunstschaffenden geht es um Strategien der Erzählung und Erinnerung bzw. der poetischen Aufladung, welche die Kunst zur Welt öffnet – als Monumente einer brüchigen Gegenwart.
Die Ausstellung Moment.Monument im Kunst Museum Winterthur präsentiert herausragende Positionen zeitgenössischer Skulptur von Phyllida Barlow (*1944) und Mona Hatoum (*1952) bis zu Simon Starling (*1967) im Spannungsfeld zwischen Dauer und Vergänglichkeit.
Bis 18. August 2021

Simon Starling *1967, La Decollazione (The Decollation), 2018 © 2020, ProLitteris, Zürich

Simon Starling *1967, La Decollazione (The Decollation), 2018 © 2020, ProLitteris, Zürich

Etikette und Maskerade – Miniaturbildnisse des Barock
Unter Louis XIV avancierte Frankreich zur führenden Herrschaft Europas. Das Schloss Versailles erstrahlte in voller Pracht und war Ausdruck von Grösse und absolutistischer Macht – der König wurde göttergleich verehrt. Der Sonnenkönig zog den hohen Adel an den Hof und begünstigte ihn zeremoniell, um ihn zugleich zu kontrollieren. Eine Wohnung in Versailles zugewiesen zu bekommen, war ein bedeutendes Privileg. Die Etikette beschrieb und regelte hierbei jeden Vorgang und wies jedem Mitglied des Hofes einen für alle sichtbaren Rang innerhalb dieser Gesellschaft zu. Trotz opulenter Inszenierung in kostbaren Roben aus Seide und Spitze mit Allongeperücken und Fächern spielten Aspekte der Convenance, Zurückhaltung und Takt eine herausragende Rolle.
Zeitgleich begann der Aufstieg des Königreichs England zur führenden Kolonialmacht und später zum Zentrum von Handel und Industrie. Grossbritanniens konstitutionelle Monarchie bildete eine reiche Aristokratie aus, die in repräsentativen Landsitzen ihr gesellschaftliches Zentrum fand.
Etikette und Maskerade jener Zeit dienten dabei sowohl als Symbol der Selbstdefinition als auch der Täuschung. Dies veranschaulicht eine konzise Auswahl von Miniaturbildnissen des Hochbarock aus Frankreich und England aus dem reichen Fundus der Miniaturensammlung im Kunst Museum Winterthur.
bis 16. Januar 2022, Reinhart am Stadtgarten

Jean Petitot II 1653 – 1702, François Louis de Bourbon, prince de Conti (1664–1709), mit brauner Perücke, in Brustharnisch mit weissem Jabot, um 1700 Kunst Museum Winterthur, Dauerleihgabe der Kunstsammlung der Stadt Winterthur, Schenkung Emil S. Kern, 2019

Jean Petitot II 1653 – 1702, François Louis de Bourbon, prince de Conti (1664–1709), mit brauner Perücke, in Brustharnisch mit weissem Jabot, um 1700
Kunst Museum Winterthur, Dauerleihgabe der Kunstsammlung der Stadt Winterthur, Schenkung Emil S. Kern, 2019

Bethan Huws
Works on Paper / Word Vitrines
A WORK OF ART WITHOUT EMOTION IS NOT A WORK OF ART. Das Statement, welches die 1961 in Bangor, Wales geborene und heute in Paris und Berlin lebende Bethan Huws als Neonschrift für das Kunst Museum Winterthur realisieren wird, ist programmatisch zu verstehen, auch wenn die Künstlerin die prominente Aussage gleich selbst wieder in Frage stellt: ARE YOU SURE? Die vom Galerieverein in Auftrag gegebene zweiteilige Neon­arbeit wird die beiden Gebäude des Museums visuell und gedanklich miteinander verbinden. Um die Einweihung des Werks zu feiern und das öffentlich zugängliche Werk in Bethan Huws’ Schaffen einzubinden, präsentiert das Kunst Museum Winterthur zwei wesentliche Aspekte im multimedialen und konzeptuellen Œuvre der Künstlerin: Works on Paper / Word Vitrines.
Works on Paper: Bethan Huws’ Aquarelle sind von einer unvergleichlichen Zartheit und Verletzlichkeit. Der Akt des Zeichnens ist auch einer der persönlichen Erinnerung. Das kann eine Reminiszenz an bestimmte Orte oder Dinge sein. Die Künstlerin konzentriert ihre Erinnerungsbilder so, dass diese etwas Allgemeingültiges erhalten, bzw. die Grenzen zur Abstraktion überschreiten. Parallel dazu entstehen als weiterer Zeichnungsstrang feingliedrige abstrakte Strukturen, welche die Bildfläche subtil gliedern. Bei den Word Vitrines handelt es sich um handelsübliche Metallkästen mit Glasfront und schwarzer Rückwand, die der Information dienen, beispielsweise als Preis- und Angebotsübersicht im Restaurant. Die Künstlerin bespielt diese Alltagsobjekte mit kurzen Texten und verwandelt sie so in komplexe Sprachbilder.
Bethan Huws’ Werk wird seit den frühen 1990er Jahren weltweit ausgestellt, so u.a. 2006 im Bonnefantenmuseum in Maastricht und 2016 in Kolumba, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln. Das Kunst Museum Winterthur konzentriert sich gezielt auf zwei wesentliche Aspekte ihres Schaffens. Die Ausstellung ist zweiteilig angelegt, um zusätzlich die Verbindung der beiden Ausstellungshäuser zu betonen: ARE YOU SURE?
Bis 5. September 2021, beim Stadthaus und Reinhart am Stadtgarten

Charlotte Prodger
Die Verwurzelung der britischen Künstlerin Charlotte Prodger (*1974) in der Queer-Kultur ist die Basis ihrer kritischen Haltung gegenüber gesellschaftlichen Normen. Sie thematisiert in ihren Werken drängende Fragen rund um Genderpolitik, Individualität und Freiheit und beschäftigt sich eingehend mit sozialen Strukturen und Systemabhängigkeiten. In ihren Filmen, Videoinstallationen, Objekten und Fotoarbeiten adressiert sie diese Themen nicht aktivistisch anklagend, sondern verwebt eine Vielzahl von kunsthistorischen, gesellschaftlichen und autobiografischen Subtexten zu einem differenzierten Gesamtbild. Persönliche und gesellschaftliche Widersprüche macht sie in atmosphärischen Bildern spürbar, die sowohl Abwesenheit und Entfremdung als auch Geborgenheit und Sicherheit zeigen. Unablässig verweisen Codes und Referenzen auf bewusste und unbewusste Mechanismen des Ein- und Ausschliessens. Die Filmsequenzen stammen meist aus autobiografischen oder dokumentarischen Quellen, die ihr als Fundus dienen. Sie werden von persönlichen Erzählungen der Künstlerin aus dem Off überlagert. Diese Montage mehrdeutiger visueller und textlicher Ebenen regt zum Nachdenken über das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, Andersartigkeit und Intimität an.
Prodger wurde 2018 mit dem renommierten Turner Prize ausgezeichnet und erkoren, 2019 an der 58. Internationalen Kunstbiennale von Venedig Schottland zu vertreten. Sie gehört zu den innovativsten Videokünstlerinnen ihrer Generation. Trotz internationaler Anerkennung unter Fachleuten gilt es, ihr Werk noch weitgehend zu entdecken.
Das Kunst Museum Winterthur präsentiert die erste umfassende Einzel­ausstellung von Charlotte Prodger in einem Museum. Diese bietet einen vertieften Einblick in ein Werk von höchster gesellschaftlicher Relevanz bezüglich Gleichstellung, Machtverteilung und Diversität. Zur Ausstellung erscheint die erste Werkmonografie der Künstlerin im Verlag König Books, London.
4. September bis 14. November 2021, beim Stadthaus

Richard Long, Stone Circle, 1981 © 2020, ProLitteris, Zürich Alan Charlton, Painting Divided Horizontally in Three Equal Parts No. 3, 1976

Richard Long, Stone Circle, 1981 © 2020, ProLitteris, Zürich
Alan Charlton, Painting Divided Horizontally in Three Equal Parts No. 3, 1976

Alan Charlton – Richard Long
Alan Charlton (*1948) und Richard Long (*1945) zählen zu den heraus­ragenden britischen Künstlern der letzten Jahrzehnte. Long gilt als einer der Pioniere der sogenannten Land Art, einer Kunstrichtung, welche seit den 1960er Jahren die Landschaft als Werk-, Ausstellungs- und Erfahrungsraum versteht. Ausgehend von seiner Studienabschlussarbeit A Line Made by Walking entwickelte er ein umfassendes Œuvre, das sich mit dem Gehen in der Natur und dessen Reflexion auseinandersetzt. Alan Charlton hingegen gehört zu den radikalsten Malern seiner Epoche. Er bezeichnet sich selbst als den Mann, der graue Gemälde schafft. Seit 1967, als auch er zum Abschluss seines Studiums an der Royal Academy of Art völlig überraschend und entgegen der Lehre der Hochschule eine graue monochrome Leinwand ausstellte, malt er ohne Ausnahme alle seine Bilder in Variationen dieser Farbe bzw. Nicht-Farbe. Wahrnehmung und räumliche Erfahrungen sind für sein Schaffen zentral.
Das Sammlerehepaar Agnes und Frits Becht hat in den 1960er und 1970er Jahren in den Niederlanden eine umfassende Sammlung zeitgenössischer Kunst aufgebaut. Frits Becht verstand sich als Kunstförderer und -vermittler; er erwarb die Werke aufstrebender Künstlerinnen und Künstler zum Zeitpunkt ihrer Entstehung. Mit sicherem Gespür für die aktuellen Tendenzen standen die heute als Land Art, Minimal Art, Konzeptkunst und Arte Povera bekannten Strömungen im Zentrum seines Interesses. Die Dauerleihgabe ausgewählter Kunstwerke aus der Becht-Sammlung ergänzt die Sammlungen im Kunst Museum Winterthur ideal und ermöglicht nun eine umfassende Ausstellung selten gesehener Werke von Alan Charlton und Richard Long. Zusammen entfalten die Werke der beiden Künstler einen Fächer der wichtigsten Fragen der Kunst ihrer Epoche: die Suche nach neuen Möglichkeiten für die Kunst ohne akademische Grundlage und institutionelle Zwänge. Selbst aus heutiger Sicht haben ihre Werke nichts von ihrer Präsenz und poetischen Kraft eingebüsst.
4. September bis 14. November 2021, beim Stadthaus

athis Altmann *1987, Bridging Commerce III, 2019

athis Altmann *1987, Bridging Commerce III, 2019

Mathis Altmann
12. Manor Kunstpreis Kanton Zürich 2021
Mathis Altmann (*1987) gehört zu einer jungen Generation von Kunstschaffenden, deren Werk von einem stark gesellschaftskritischen Bewusstsein geprägt wird. Die durchdachten Installationen des 33-Jährigen torpedieren die Illusion einer glamourösen und unbeschwerten Welt, indem sie die Betrachtenden hinter die Fassaden des schönen Scheins blicken lassen. Altmann baut aus Konsumgütern, Gebrauchsgegenständen, Abfall und Bauwerkstoffen Szenerien voller Gegensätze auf. Es ist ein raffiniertes Spiel mit den Traditionen der Assemblage und der Collage, das inhaltlich mit der Darstellung einer disparaten Welt einhergeht. Den Werken liegen Themen wie Überfluss, Konsum, Wegwerfgesellschaft, Funktionalität und Oberflächlichkeit zugrunde. Speziell die Bedingungen kreativ-digitaler Arbeit im Umfeld eines beschleunigten und globalisierten städtischen Alltags sind für ihn wichtig. Der Unübersichtlichkeit der Welt begegnet er nicht mit Simplifizierung, sondern indem er die Informationsfülle ins Groteske übersteigert. In der Modellhaftigkeit der Werke schwingt indes auch ein Bedürfnis nach Idealisierung mit, die Altmann durch heftige Ironisierung und gezielte Hybridisierung ad absurdum führt. In seinem Werk strebt er eine theaterhafte Inszenierung mit doppeltem Boden an. Damit erzeugt Altmann eine komplexe Verschachtelung von inhaltlichen und formalen Fragmenten, die mit Mehrdeutigkeiten, Kontroversen und Unvereinbarkeiten spielen. So begegnet er der Zufälligkeit des Lebens als auch dem erstaunlichen Reflex des Menschen, überall Muster und Ordnung zu erkennen und daraus sinnstiftende Informationen und Geschichten abzuleiten.
Mathis Altmann wurde der 12. Manor Kunstpreis des Kantons Zürich verliehen. Für die Ausstellung im Kunst Museum Winterthur erarbeitet er zwei spezifische Installationen, die neu geschaffene und bestehende Werke zusammenführen. Die zur Ausstellung erscheinende Publikation wird erstmals einen Überblick über das bisherige Schaffen geben und die Einflüsse und Inspirationen des Künstlers offenlegen.
9. Oktober 2021 bis 2. Januar 2022, Beim Stadthaus

www.kmw.ch