Mit der Installation „Rhinozeros im Raum“ verbindet Itamar Gov Klang, Mythos und politische Reflexion zu einem vielschichtigen Erfahrungsraum zwischen Traum und Bedrohung.

Ausgangspunkt der Installation ist das Nashorn als ambivalentes Symbol, das seit Albrecht Dürers berühmtem Stich tief im europäischen Bildgedächtnis verankert ist. Zwischen Faszination und Fremdheit, Stärke und Verletzlichkeit steht das Tier für Macht ebenso wie für Bedrohung – ein Spannungsfeld, das die Installation aufgreift und mit historischen Ereignissen, philosophischen Ideen und erzählerischen Fragmenten verknüpft. Dabei werden die Grenzen zwischen Fakt und Fiktion, Erinnerung und Vorstellung bewusst durchlässig gehalten.

Im Zentrum steht eine raumfüllende Klangkomposition von Bruno Delepelaire für acht Celli, ergänzt durch Gesang von Noa Beinart. Aus den vielschichtigen Klangflächen treten vertraute Motive hervor: Anklänge an ein Wiegenlied, Fragmente aus Goethes „Erlkönig“ oder musikalische Bezüge zu Paul Ben-Haim. Zwischen beruhigender Nähe und unterschwelliger Bedrohung entfaltet sich ein akustischer Dialog, der zwischen Geborgenheit und Unruhe oszilliert.

Inhaltlich knüpft die Arbeit an Eugène Ionescos Theaterstück „Die Nashörner“ an, in dem die Verwandlung von Menschen in Tiere als Sinnbild für gesellschaftliche Anpassung und autoritäre Dynamiken steht. Auch die hebräische Redewendung des „Sich-Rhinozerosierens“ greift diese Idee auf und verweist auf Prozesse kollektiver Gleichgültigkeit gegenüber Gewalt und Machtmissbrauch.

So entsteht eine Installation, die sich mit zentralen Fragen unserer Gegenwart auseinandersetzt: mit Mythos und Manipulation, mit individueller Haltung und gesellschaftlicher Verantwortung. Traum und Albtraum überlagern sich im Raum und verweisen nicht zuletzt auf die Fragilität demokratischer Strukturen – eine eindringliche künstlerische Reflexion über die Mechanismen von Macht und die „Banalität des Bösen“.
27. Januar bis 25. Juli 2026

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