Das Kunstmuseum Luzern zeigt die Vielfalt des regionalen Kunstschaffens und stellt Fragen nach Erinnerung, Zusammenleben und einer Welt im Wandel. Was bleibt von einer Kultur, einem Gebäude oder einer Begegnung? Wie wollen wir miteinander leben, und welche Spuren hinterlassen wir auf dieser Welt? Mit der Ausstellung „zentral!“ richtet das Kunstmuseum Luzern zum Jahresende erneut den Blick auf das regionale Kunstschaffen. Aus 237 Eingaben hat eine Jury 25 künstlerische Positionen ausgewählt, darunter drei Duos und zwei Performances. Die Ausstellung vereint unterschiedliche Generationen und Medien – von der Ölmalerei über monumentale Skulpturen bis hin zu experimentellen Installationen.
Eine Gegenwart voller Unsicherheiten
Viele der präsentierten Arbeiten spiegeln die Fragilität unserer Zeit. Sie erzählen von bedrohten Lebensräumen, kulturellen Erinnerungen und gesellschaftlichen Spannungen, aber auch von der Suche nach Orientierung und Zusammenhalt. Edward Wright untersucht in einem fragmentierten Gemälde, wie Kulturen über Generationen hinweg fortwirken. Das Duo Lipp&Leuthold greift die Voyager Golden Record auf, jene 1977 ins All geschickte Datenplatte, die Zeugnis von der Menschheit ablegen sollte – selbst für den Fall, dass diese längst nicht mehr existiert.
Anja Meier erkundet anhand von Fundstücken die Erinnerungen an die Reuss und verbindet persönliche Erfahrungen mit der Geschichte eines Ortes. Sonja Kretz beschäftigt sich mit Bergstürzen und verweist damit auf eine Natur, deren Gleichgewicht zunehmend fragil erscheint. Die Werke machen deutlich, wie eng unser Leben mit den Veränderungen unserer Umwelt und den Spuren der Vergangenheit verbunden ist.

Florian Maritz, Hei Schatz, brauchen wir noch was fürs Dinner?, 2026, Öl und Eitempera auf Jute, Courtesy of the artist
Zwischen Nähe, Ausgrenzung und Fürsorge
Auch das menschliche Zusammenleben steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Mit ihrer Performance „It’s Just a Question“ lädt Annie Kahri das Publikum dazu ein, eigene Erfahrungen mit Zugehörigkeit und Ausgrenzung zu reflektieren. Florian Maritz nähert sich mit einem Augenzwinkern dem Zusammenleben von Mensch und Fuchs, während Mahtola Wittmer mit ihrer Arbeit „Amour“ auf die Verbindung von Liebe und Gewalt aufmerksam macht.
Das Duo Zellweger Boehm hinterfragt mit einer pompösen Schaumstoffskulptur Architekturen der Macht. Katrin Keller setzt dagegen ein Zeichen für Rücksichtnahme: Ihre weich gestalteten Radabweiserfedern entschärfen mögliche Zusammenstöße zwischen Menschen und Architektur. So wird Fürsorge zu einer ebenso konkreten wie poetischen Geste.
Kunst als Spiegel unserer Zeit
Weitere Arbeiten beschäftigen sich mit den Spuren, die Institutionen und ihre Besucher:innen hinterlassen. Stephan Wittmer verwandelt Handläufe des historischen Museumsgebäudes, des sogenannten Meili-Baus, und stellt damit Fragen nach Zugang und Teilhabe. Lino Peter und Lisa Blaser sammeln und archivieren Spuren des Publikums und machen so die Begegnung zwischen Museum und Gesellschaft selbst zum Thema.
„zentral!“ präsentiert das regionale Kunstschaffen als vielstimmiges Panorama, das weit über die Grenzen der Zentralschweiz hinausweist. Die Ausstellung verbindet persönliche Geschichten mit gesellschaftlichen Fragen und eröffnet unterschiedliche Perspektiven auf eine Gegenwart, in der vieles unsicher geworden ist. Ihre Stärke liegt gerade in dieser Vielfalt: Die Arbeiten liefern keine einfachen Antworten, sondern laden dazu ein, genauer hinzusehen und über das eigene Verhältnis zu Mensch, Natur und Gesellschaft nachzudenken.
Am Eröffnungstag werden neben dem Jurypreis beziehungsweise dem Preis der Zentralschweizer Kantone auch der Ausstellungspreis der Kunstgesellschaft Luzern vergeben, der eine Einzelausstellung im Folgejahr ermöglicht.
28. November 2026 bis 31. Januar 2027
www.kunstmuseumluzern.ch

Edward Wrights, Blocks, 2025, Öl und Acryl auf Leinwand, Courtesy of the artist















