In den vergangenen zwanzig Jahren entwickelte sich die Fondation Beyeler, angesiedelt in einem wundervollen Gebäude von Stararchitekt Renzo Piano, zu einem der beliebtesten Kunstmuseen der Schweiz: Der selbst gestellte Anspruch, ein Ort für alle Sinne zu sein, offen und lebendig zu agieren, er ist in Basel/Riehen tatsächlich Realität. Mit über 300 Objekten, die sich in der weltberühmten Sammlung befinden, werden hier zentrale malerische Aspekte der klassischen Moderne dokumentiert. Darunter befinden sich Meisterwerke von Monet, Cézanne und van Gogh über Picasso zu Warhol, Lichtenstein, Bacon und Giacometti bis hin zu zeitgenössischen Positionen. Mit besonderer Spannung wird daher den hochkarätigen Sonderausstellungen entgegen gefiebert. Ein Überblick.

Rodin/Arp
Erstmals in einer Museumsausstellung trifft im Dialog zwischen Auguste Rodin (1840–1917) und Hans Arp (1886–1966) das bahnbrechende Schaffen des grossen Erneuerers der Bildhauerei des späten 19. Jahrhunderts auf das einflussreiche Werk eines Protagonisten der abstrakten Skulptur des 20. Jahrhunderts. Beide Künstler zeichnet eine einzigartige künstlerische Innovationskraft und Experimentierfreude aus. Werke entstanden, die ihre Zeit stark geprägt haben und bis heute aktuell geblieben sind. Als skulpturale Meilensteine veranschaulichen die Schöpfungen Rodins und Arps auf eindrückliche und exemplarische Weise grundlegende Aspekte in der Entwicklung der modernen Bildhauerei. So führte Rodin wegweisende Ideen und neue künstlerische Möglichkeiten in die Skulptur ein, die von Arp später aufgegriffen und in seinen biomorphen Formen auf eigene Weise weiterentwickelt und neuinterpretiert oder aber kontrastiert wurden. Das äusserst produktive und vielseitige Schaffen von Rodin und Arp weist zahlreiche künstlerische Verwandtschaften und Bezugspunkte, aber auch Differenzen auf, welche die Gegenüberstellung ihrer unverkennbaren Werke zu einer besonders aufschlussreichen visuellen Erfahrung machen.
Mit rund 110 Werken aus internationalen Museen und Privatsammlungen ist Rodin/Arp eine der umfangreichsten Skulpturenausstellungen der Fondation Beyeler. Sie versammelt zahlreiche ikonische Werke beider Künstler, präsentiert aber auch bislang nur selten gezeigte Skulpturen, Reliefs und Arbeiten auf Papier.
13. Dezember 2020 bis 16. Mai 2021

Olafur Eliasson
Seit über 25 Jahren erforscht Olafur Eliasson in seinem Werk Fragen der Wahrnehmung, Bewegung, Körpererfahrung und Selbstempfindung. Für ihn ist Kunst ein entscheidendes Mittel, um vom Denken zum Handeln zu gelangen. Eliassons breiter Praxis – Skulptur, Malerei, Fotografie, Film und Installationen – wurden weltweit zahlreiche Ausstellungen gewidmet. Über Museen und Galerien hinaus wendet sich seine künstlerische Arbeit auch an eine breitere Öffentlichkeit, etwa durch architektonische Projekte und Interventionen im öffentlichen Raum. Durch den Einbezug einer Vielzahl von Perspektiven – menschlichen ebenso wie nicht-menschlichen – lädt Eliassons Kunst dazu ein, zukünftige Formen der Koexistenz zu erarbeiten. Für seine Einzelausstellung an der Fondation Beyeler verwandelt der Künstler das Museum für eine immersive und grenzüberschreitende Erkundung unserer Vorstellungen von Natur und Kultur.
Für Life hat Olafur Eliasson einen grossen Teil der Fenster der Fondation Beyeler entfernt. Dieser Akt, den der Künstler als „Fürsorge“ bezeichnet, öffnet das Museum hin zu seiner Umgebung, zu den Pflanzen und Tieren des öffentlichen Parks, zur Stadtlandschaft, zum wechselnden Wetter und zu den fliessenden Übergängen von Licht und Dunkelheit.
Die Institution, die Besuchenden und andere Lebensformen werden in einem Raum des unmittelbaren Miteinanders vereint. Life lässt die Grenzen zwischen aussen und innen, Museum und Kunstwerk verschwimmen – ein Effekt, der soweit ging, auch Eliassons Wunsch danach, das Museum Tag und Nacht geöffnet zu halten, zu verwirklichen.
Licht und Dunkelheit verändern die Erfahrung von Life auf bemerkenswerte Weise. Wie es erlebt wird, hängt ganz wesentlich von der Tageszeit ab: Das Wasser erscheint bei Tageslicht hellgrün und fluoresziert bei Nacht – ein Effekt, der durch eine Kombination aus ultraviolettem Licht und einem fluoreszierenden Farbstoff im Wasser, dem Uranin, entsteht.
Das Wasser dehnt sich über die ganzen Ausstellung aus, verbindet den Innenraum mit dem Teich im Freien und erschafft eine durchgehende Wasserlandschaft. Auf der Wasseroberfläche entfaltet sich je nach Lichtverhältnissen und Witterung ein Spektrum an Reflexionen, die den umgebenden Raum und die Besuchenden miteinbeziehen und sie zu Koproduzierenden des Kunstwerks machen.
Der Teich im Garten des Museums ist mit den Innenräumen der Ausstellung zu einer durchgehenden Wasserlandschaft verbunden. Eine Vielzahl von Pflanzen, die alle im flachen Wasser gedeihen, bevölkern die Oberfläche des Teiches: Schwimmfarn, Zwergseerose, Muschelblume, Rotwurzler und Wassernuss.
Einige Wasserpflanzen waren bereits fester Bestandteil des ursprünglichen Teiches. Andere werden sich im Laufe der Ausstellung in diesem Lebensraum ansiedeln. Diese Eindringlinge treten in einen Dialog mit der bestehenden Flora des Museumsparks, den dortigen, zum Teil jahrhundertealten Bäumen, den Sträuchern und Gräsern. Das Ergebnis ist ein sich gegenseitig durchdringendes, in sich verflochtenes Wachstum.
Olafur Eliasson liess sich von der Anthropologin Natasha Myers inspirieren, die an uns appelliert, unsere Sinne zu „vegetalisieren“, um das Potenzial der Beziehungen zwischen Pflanze und Mensch zu erschliessen. Dies geht auf ihren Vorschlag für eine Alternative zum Anthropozän zurück, der gegenwärtigen geologischen Epoche, die durch menschliche Aktivitäten definiert ist: Myers nennt diese neue Epoche „Planthropozän“. Ihre Ideen wurzeln in dem Wissen, dass Pflanzen es überhaupt möglich gemacht haben, dass dieser Planet bewohnbar ist.
April bis Juli 2021

Olafur Eliasson, LIFE, 2021, Installationsansicht, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2021, Courtesy of the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York / Los Angeles © 2021 Olafur Eliasson, Foto: Pati GrabowiczOlafur Eliasson, LIFE, 2021, Installationsansicht, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2021, Courtesy of the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York / Los Angeles © 2021 Olafur Eliasson, Foto: Pati Grabowicz

Olafur Eliasson, LIFE, 2021, Installationsansicht, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 2021, Courtesy of the artist; neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, New York / Los Angeles © 2021 Olafur Eliasson, Foto: Pati Grabowicz

 

Close-Up
Berthe Morisot, Mary Cassatt, Paula Modersohn-Becker, Lotte Laserstein, Frida Kahlo, Alice Neel, Marlene Dumas, Cindy Sherman, Elizabeth Peyton
Die Ausstellung zeigt Werke von Künstlerinnen, deren Schaffen herausragende Positionen innerhalb der Geschichte der Moderne seit 1870 bis heute darstellen. Es ist der Zeitraum, zu dessen Beginn es Künstlerinnen in Europa und Amerika erstmals möglich wurde, auf breiter Basis professionell tätig zu sein.
Im Zentrum der Ausstellung stehen neun Künstlerinnen, denen die Konzentration auf die Darstellung von Menschen, auf Porträts und Selbstporträts gemeinsam ist.
Die Französin Berthe Morisot und die Amerikanerin Mary Cassatt, beide aktiv in den 1870er und 1880er Jahren in Paris, der Metropole des damaligen aktuellen Kunstschaffens; die Deutsche Paula Modersohn-Becker um 1900 bis 1907 zwischen der norddeutschen Provinz Worpswede und der Weltstadt Paris; die Deutsche Lotte Laserstein um 1925 bis 1933 im grossstädtischen Berlin der Weimarer Republik; die Mexikanerin Frida Kahlo seit Ende der 1920er Jahre bis um 1950 in Mexiko City; die Amerikanerin Alice Neel seit Ende der 1920er bis Anfang der 1980er Jahre, zuerst in Kuba, dann in Manhattan, von Greenwich Village über Spanish Harlem bis zur Upper West Side; die Südafrikanerin Marlene Dumas, aufgewachsen in der Hochphase der Apartheid, seit 1976 in Amsterdam; zur gleichen Zeit die Amerikanerin Cindy Sherman in New York, dem von einer neuen Generation geprägten westlichen Brennpunkt zeitgenössischer Kunst; schliesslich die Amerikanerin Elizabeth Peyton seit den 1990er Jahren, zwischen New York und Westeuropa.
Das Interesse der Ausstellung gilt dem spezifischen Blick der Künstlerinnen auf ihre eigene Umgebung, der in den Porträts und Bildern ihrer selbst und von anderen zum Ausdruck kommt. In der Zusammenschau lässt sich erleben, wie sich der Blick der Künstlerinnen auf ihr Gegenüber zwischen 1870 und heute wandelt und was ihn auszeichnet.
19. September 2021 bis 2. Januar 2022

www.fondationbeyeler.ch