Ein Klassiker der romantischen Liedkunst erscheint in einem völlig neuen Klanggewand: Julian Prégardien und das Ensemble Modern bringen Hans Zenders außergewöhnliche Bearbeitung von Schuberts „Winterreise“ in die Kölner Philharmonie.

1827 komponierte Franz Schubert seinen berühmten Liederzyklus nach 24 Gedichten von Wilhelm Müller. Die Geschichte eines einsamen Wanderers, der nach einer enttäuschten Liebe durch eine winterliche Landschaft zieht, wurde zu einem der eindringlichsten Werke der Musikgeschichte. Äußere Naturbilder und innere Verzweiflung verschmelzen zu einer musikalischen Reise, deren Ende bewusst offenbleibt.

Rund 170 Jahre später näherte sich Hans Zender diesem Werk aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Seine 1993 uraufgeführte „komponierte Interpretation“ für Tenor und kleines Orchester versteht sich weder als bloße Instrumentierung noch als vollständige Neukomposition. Vielmehr macht Zender musikalische und psychologische Spannungen hörbar, die in Schuberts Original bereits angelegt sind.

An die Stelle der vertrauten Klavierbegleitung tritt ein Ensemble mit einer bemerkenswerten Vielfalt an Klangfarben. Instrumentale Geräusche, überraschende dynamische Kontraste und verfremdete musikalische Strukturen erweitern die Ausdrucksmöglichkeiten der Lieder. Selbst Windmaschine und Regenblech kommen zum Einsatz, um die beklemmende Atmosphäre der winterlichen Wanderung zu intensivieren.

Die Interpretation übernimmt Julian Prégardien, der sich seit Jahren intensiv mit dem romantischen Liedrepertoire auseinandersetzt. Der Tenor gehört zu den international gefragten Vertretern seines Fachs und ist besonders für seine differenzierte Textgestaltung und seine Fähigkeit bekannt, musikalische Erzählungen unmittelbar erlebbar zu machen.

Mit dem Ensemble Modern steht ihm einer der renommiertesten Klangkörper für zeitgenössische Musik zur Seite. Das Frankfurter Ensemble war bereits an der Uraufführung von Zenders „Winterreise“ beteiligt und verfügt damit über eine besondere Verbindung zu diesem Werk. Die musikalische Leitung übernimmt Michael Wendeberg.

Im Jahr des 200. Jubiläums von Schuberts Liederzyklus eröffnet dieser Konzertabend eine faszinierende Perspektive auf ein Meisterwerk, das bis heute nichts von seiner emotionalen Intensität verloren hat.
5. Januar 2027

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