Das Jüdische Museum der Schweiz in Basel, 1966 als erstes seiner Art im deutschsprachigen Raum nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, schlägt ein neues Kapitel seiner Geschichte auf. Ab dem 30. November 2025 öffnet es an der Vesalgasse 5 seine Türen – in einem Haus, das nicht nur mehr Raum, sondern auch eine atmosphärisch dichte Verbindung von Gegenwart und Geschichte bietet.
Das neue Gebäude umfasst 750 Quadratmeter, die sich auf Dauer- und Wechselausstellungen, Werkstatt- und Veranstaltungsräume, eine Bibliothek sowie Büros verteilen. Damit reagiert das Museum auf das stetig wachsende Interesse: Führungen, Bildungsprogramme und Veranstaltungen haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Neben mehr Platz garantiert die neue Infrastruktur auch ein optimales Klima für empfindliche Exponate und ein zeitgemäßes museales Umfeld. Besondere historische Bedeutung kommt dem Areal neben dem Haus zu. Dort befand sich einst der Friedhof der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde Basels. Einige monumentale Grabsteine aus dem 13. und 14. Jahrhundert haben die Pestpogrome von 1349 überdauert und werden künftig am Eingang des Museums sichtbar sein. Eine Freiluftinstallation, realisiert in Kooperation mit dem Historischen Museum Basel und der archäologischen Bodenforschung, macht die Geschichte dieses Ortes unmittelbar erfahrbar.
Ein starkes visuelles Zeichen setzt die Fassade des Neubaus: Als Frontispiz dient eine Reproduktion von Frank Stellas Werk Jeziory (1973), Teil seiner Werkgruppe Polish Villages. Stella ließ sich dabei von Fotografien zerstörter Holzsynagogen Osteuropas inspirieren und schuf monumentale Kunstwerke, die Erinnerung und Verlust zugleich thematisieren. Das Motiv verbindet die Architektur des Hauses mit seinem Inhalt: Bewahrung, Reflexion und Aktualisierung jüdischer Kultur.
Unter dem Titel Kult, Kultur, Kunst. Jüdische Erfahrungen präsentiert die neue Dauerausstellung Kunstwerke, Kultobjekte und Archivalien auf zwei Etagen. Rund 80 Archivschubladen bieten Einblicke in Miniaturen des Bestands, während das partizipative Format Sammeln in Echtzeit Besucherinnen und Besucher einlädt, eigene Fotos zu ausgewählten Themen beizutragen. Eine interaktive Kinderspur eröffnet zudem Zugänge für jüngere Gäste zwischen vier und zwölf Jahren. Die erste Sonderausstellung knüpft direkt an das Frontispiz an: Frank Stella und die zerstörten Holzsynagogen Osteuropas beleuchtet die Entstehung der Polish Villages-Serie und zeigt neben Originalwerken des Künstlers 24 Synagogenmodelle von Moshe Verbin, einem Überlebenden der Shoah. Mit dem Umzug in die Vesalgasse stärkt das Jüdische Museum der Schweiz seine Rolle als kultureller Gedächtnisort, als Forum des Austauschs und als lebendiger Ort für jüdische Geschichte und Gegenwart.
Eröffnung: 30. November 2025
www.juedisches-museum.ch















