Mit einer großen Sonderausstellung zu Anselm Kiefer feiert die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall ihre Wiedereröffnung und ihr 25-jähriges Bestehen. Die Schau „Alles, was der Fall ist“ vereint bedeutende Werke aus der Sammlung Würth mit Arbeiten aus dem Atelier des international renommierten Künstlers. Zugleich eröffnet in Künzelsau ein eigener Pavillon für Kiefers monumentales Werk „Schwarze Flocken“. Zwei besondere Orte, ein Künstler und die großen Fragen nach Geschichte, Erinnerung und der Stellung des Menschen im Universum.

Wiedereröffnung der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall mit einer Ausstellung von außergewöhnlicher Tiefe
Was bleibt von der Geschichte? Wie lassen sich ihre Brüche, ihre Schrecken und ihre Widersprüche in Bilder übersetzen? Und was verbirgt sich hinter dem, was wir zu sehen glauben? Diesen Fragen widmet sich die Kunsthalle Würth mit der Ausstellung „Anselm Kiefer – Alles, was der Fall ist“, die vom 16. Oktober 2026 bis zum 3. Oktober 2027 zu sehen ist. Mehr als 70 Arbeiten aus der Sammlung Würth treten in einen Dialog mit 21 Leihgaben aus dem Atelier des Künstlers. Die rund 90 Werke eröffnen einen umfassenden Einblick in Kiefers Schaffen, das seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Positionen der internationalen Gegenwartskunst zählt. Geboren 1945 in Donaueschingen, setzt sich Kiefer in seinen Arbeiten intensiv mit deutscher Geschichte, Mythologie, Literatur, Religion und Natur auseinander.

Anselm Kiefer, Anselm war hier, 2017–2024,Emulsion, Öl, Acryl, Schellack, Blattgold Elektrolysesediment und Holzkohle auf Leinwand, Sammlung Würth, erworben 2026 © Anselm Kiefer, Foto: Nina Slavcheva

Anselm Kiefer, Anselm war hier, 2017–2024,Emulsion, Öl, Acryl, Schellack, Blattgold Elektrolysesediment und Holzkohle auf Leinwand, Sammlung Würth, erworben 2026 © Anselm Kiefer, Foto: Nina Slavcheva

Die Ausstellung spannt einen Bogen von frühen, provokanten Sinnbildern über kosmologische Vorstellungen und die jüdische Kabbala bis hin zu den bleiernen Bibliotheken, in denen Bücher und Schrift zu Trägern von Wissen, Erinnerung und kulturellem Gedächtnis werden. Auch die Auseinandersetzung mit Paul Celan und dessen von den Erfahrungen des Holocaust geprägter Lyrik nimmt einen wichtigen Platz ein. Kiefers Bilder sind dabei weit mehr als Darstellungen: Mit Asche, Blei, Stroh, Feuer und anderen elementaren Materialien schafft er Oberflächen, die verwundet, zerstört und zugleich voller Leben erscheinen. Die vermeintliche Verwüstung wird zum Sinnbild für Vergänglichkeit, aber auch für die Widerstandskraft der Natur. „In meinen Bildern“, erklärt Kiefer, „erzähle ich Geschichten, um zu zeigen, was hinter der Geschichte liegt. Ich mache ein Loch und gehe hindurch.“ Dieses Durchdringen des Sichtbaren macht den besonderen Reiz seiner Kunst aus. Auch in „Die vier Elemente“ wird die Suche nach den Zusammenhängen zwischen Mikro- und Makrokosmos greifbar: Eine dunkle Sonnenblume trägt bereits wieder ihre Kerne in sich – ein Bild für Vergehen und Erneuerung. Für Kiefer ist Kunst eine Möglichkeit, sich dem Unfassbaren anzunähern: „Kunst hat immer auch mit der Aneignung des Unbegreiflichen zu tun.“ Die Wiedereröffnung der Kunsthalle erhält damit eine Ausstellung, die nicht nur einen bedeutenden Künstler würdigt, sondern das Publikum dazu einlädt, genauer hinzusehen und eigene Fragen an Geschichte und Gegenwart zu stellen.
16. Oktober 2026 bis 3. Oktober 2027

Anselm Kiefer Pavillon Museum Würth 2, Künzelsau, Foto: Simon Menges

Anselm Kiefer Pavillon Museum Würth 2, Künzelsau, Foto: Simon Menges

Ein Raum für ein monumentales Werk: der Anselm Kiefer Pavillon in Künzelsau
Während die Kunsthalle Würth Kiefers vielschichtiges Gesamtwerk beleuchtet, konzentriert sich der neue Anselm Kiefer Pavillon in Künzelsau ganz auf eine einzige Arbeit: „Schwarze Flocken“ aus dem Jahr 2007. Mit rund elf Metern Höhe und sieben Metern Breite ist das Werk das größte von Kiefer in der Sammlung Würth und wird nun erstmals dauerhaft öffentlich präsentiert. Der von David Chipperfield entworfene, rund 140 Quadratmeter große Pavillon liegt im Würth Skulpturengarten auf dem Gelände rund um das Carmen Würth Forum und das Museum Würth 2. Tageslichtkuppeln, sichtbare Holzbalken und Wände mit Lehmputz schaffen einen bewusst zurückgenommenen Raum, der dem monumentalen Werk seine ganze Wirkung lässt. Die Architektur folgt dabei den Vorstellungen des Künstlers und wird zum Resonanzraum für ein Bild, das sich mit der Lyrik Paul Celans und den Traumata des Holocaust auseinandersetzt. Für Reinhold Würth ist Kiefers Kunst auch mit einer besonderen regionalen Verbundenheit verknüpft: „Mich überraschte diese unglaubliche Kraft in seinem Werk und tatsächlich auch seine Verankerung in der Region. In vielen seiner Bilder spürt man eine gewisse Bodenständigkeit und seine Auseinandersetzung mit unserer Historie. Seine Verbindung zur Landschaft, der Natur, dem Rhein, der Mythologie. Da treffen sich unsere Interessen.“ Maria Würth, Geschäftsbereichsleiterin Kunst und Kultur in der Würth-Gruppe, betont die Bedeutung der historischen Dimension: „Anselm Kiefer wurde 1945 in Donaueschingen geboren, dem Jahr, das das Ende des Zweiten Weltkriegs markiert. Fragen nach Erinnerung, Geschichte und Verantwortung begleiten sein Werk deshalb von Beginn an.“ Zugleich seien Kiefers Bilder keine verschlossenen Welten: „Seine Werke geben uns vielmehr Spuren, denen wir folgen können – wie einem Ariadnefaden durch vielschichtige Bildwelten. Manches bleibt rätselhaft, manches wirkt dunkel. Doch gerade darin liegt der Reiz und die Aufforderung, genauer hinzusehen.“ Der Pavillon, der am 13. Oktober 2026 eröffnet, ergänzt die Ausstellung in Schwäbisch Hall um einen konzentrierten, eindringlichen Ort der Begegnung mit Kiefers Kunst.
Ab 16. Oktober 2026

Kunst und Kultur als gelebte Unternehmenskultur
Die beiden Kiefer-Präsentationen stehen zugleich für das langfristige Engagement der Würth-Gruppe, Kunst und Kultur einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Im Mittelpunkt steht die Sammlung Würth, die Reinhold Würth über Jahrzehnte aufgebaut hat. Mit mehr als 20.000 Werken vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart zählt sie zu den bedeutendsten privaten Kunstsammlungen Europas. Malerei und Skulptur, international etablierte Namen und neu zu entdeckende Positionen bilden ein vielfältiges Panorama künstlerischer Ausdrucksformen. Das 1991 am Stammsitz in Künzelsau eröffnete Museum Würth war das erste Firmenmuseum seiner Art weltweit. Heute tragen 15 Kunstkabinette in Europa die Idee weiter, Kunst auch außerhalb klassischer Museumsräume sichtbar und erlebbar zu machen. In Schwäbisch Hall setzt die Kunsthalle Würth diese Tradition fort: Mit ihrem Erweiterungsbau wächst die Ausstellungsfläche um 600 auf insgesamt 3.200 Quadratmeter. Der vom Architekturbüro Henning Larsen entworfene Neubau verbindet zeitgenössische Architektur mit dem historischen Stadtbild und ermöglicht erstmals einen zusammenhängenden Rundgang durch die Ausstellungsräume. Neue Bereiche für Kunstvermittlung, ein lichtdurchfluteter Empfang und eine Tagesbar schaffen zusätzliche Möglichkeiten der Begegnung. Hinter diesem Engagement steht eine Überzeugung, die Reinhold Würth prägnant formuliert: „Ich bin der Überzeugung, dass der lebendige und kritische Umgang mit Kunst zu einer richtig verstandenen Unternehmenskultur führt.“ Die Wiedereröffnung in Schwäbisch Hall und der neue Pavillon in Künzelsau machen deutlich, was dieser Anspruch bedeutet: Kunst ist nicht bloß ein Gegenstand der Betrachtung, sondern ein Anstoß, Geschichte zu hinterfragen, neue Perspektiven zu gewinnen und sich mit den grundlegenden Fragen unserer Zeit auseinanderzusetzen.

www.KunstKultur.wuerth.com

Anselm Kiefer, Mme de Staël: Über Deutschland, Acryl, Emulsion, Öl, Schellack, Kohle und Collage auf Fotografie auf Leinwand, Sammlung Würth, erworben 2018 © Anselm Kiefer, Foto: Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg

Anselm Kiefer, Mme de Staël: Über Deutschland, Acryl, Emulsion, Öl, Schellack, Kohle und Collage auf Fotografie auf Leinwand, Sammlung Würth, erworben 2018 © Anselm Kiefer, Foto: Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg