Mit der Wiedereröffnung der sanierten Bühnen am Offenbachplatz kehrt die Oper Köln im September 2026 an ihre angestammte Spielstätte zurück.
Es ist der erste Mord der Menschheitsgeschichte – und, wie wir wissen, nicht der letzte. Nach biblischer Überlieferung stammen wir alle von einem Mörder ab: Kain, dem ersten Menschen, der auf der Erde geboren wurde. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Abel wird er von Adam und Eva gottesfürchtig erzogen. Doch als eines Tages Abels rituelle Opfergaben vorgezogen werden, brechen sich dunkle Triebe Bahn: Kain tötet Abel und zieht damit den Zorn Gottes auf sich.
Die Geschichte aus der Genesis wirft Fragen auf, die die Menschheit seit jeher beschäftigen: Warum geht es mir nicht so gut wie den anderen? Warum werden andere scheinbar grundlos bevorzugt? Ist das Böse im Menschen angelegt? Hat es womöglich eine verborgene Funktion im Schöpfungsplan? Sind wir Teil eines göttlichen Experiments? Kann oder muss man einem Mörder vergeben? Und ist Frieden überhaupt möglich – oder ist Gewalt der Menschheitsgeschichte unauslöschlich eingeschrieben?

Kain und Abel © Teresa Rothwangl
Alessandro Scarlatti erhielt einen Großteil seiner musikalischen Ausbildung in Rom, dem Zentrum der Oratorienkomposition zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Zugleich prägte ihn die Zeit der sogenannten „opera proibita“: Zwischen 1698 und 1710 waren in Rom Opernaufführungen verboten. Komponisten verbargen ihre Bühnenwerke hinter der Fassade von Oratorien und entwickelten das Genre dadurch zunehmend in eine dramatische Richtung.
Mit dieser Erfahrung kam Scarlatti 1706 nach Venedig, damals eines der bedeutendsten Opernzentren Europas. Im darauffolgenden Jahr entstand dort KAIN UND ABEL – eine packende Dramatisierung der biblischen Geschichte, die Scarlatti in virtuose und expressiv aufgeladene Barockklänge fasst.
Die Erfolgsinszenierung von Dietrich W. Hilsdorf, 2020 am Aalto-Theater in Essen uraufgeführt, richtet den Blick auf den existenziellen Kern dieser biblischen Urgeschichte. Hilsdorf erzählt den ersten Bruderkonflikt als zeitloses Menschheitsdrama über Neid, Schuld und die verzweifelte Suche nach Anerkennung.
Unter der musikalischen Leitung von Rubén Dubrovsky entfaltet Scarlattis Musik eine kraftvolle Intensität – präzise, dramatisch und expressiv.
Premiere: 1. November 2026
Folgetermine: 5., 8., 14. und 27. November sowie 6., 15. und 30. Dezember 2026
www.oper.koeln


