„Beauty“ lautet das Motto der 28. Ausgabe von Enjoy Jazz. Vom 2. Oktober bis 7. November 2026 wird die Metropolregion Rhein-Neckar erneut zum Treffpunkt für herausragende Stimmen, eigenwillige Klangwelten und musikalische Grenzgänger. In Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen und an weiteren Spielorten geht es dabei um weit mehr als um die Schönheit des Klangs.

Schönheit ist ein großes Wort. Eines, das leicht ins Unverbindliche abgleiten kann. Enjoy Jazz nimmt es in diesem Jahr dennoch bewusst in den Mittelpunkt – und macht daraus eine Einladung zur Auseinandersetzung. Was empfinden wir als schön? Ist Schönheit harmonisch, vollkommen und vertraut? Oder kann sie gerade dort entstehen, wo etwas irritiert, widerspricht, brüchig oder neu ist?
Nach den thematischen Ausgaben „Trust“ (2023), „Healing“ (2024) und „Knowing“ (2025) öffnet das Festival mit „Beauty“ ein neues Denk- und Klangfeld. Schönheit wird dabei nicht allein ästhetisch verstanden, sondern als etwas, das soziale, politische, ökologische, moralische und kulturelle Dimensionen berührt. Musik wird zum Ausgangspunkt für Begegnungen und Fragen – und vielleicht auch für die Erkenntnis, dass das Schöne selten eindeutig ist.

Lizz Wright © Hollis King

Lizz Wright © Hollis King

Stimmen, die Grenzen überschreiten
Den Auftakt am 2. Oktober in der Stadthalle Heidelberg gestaltet die algerisch-französische Sängerin Souad Massi. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gehört sie zu den markanten Stimmen zwischen arabischer Musik, Chanson, Folk und Jazz. Ihre Musik trägt die Melancholie des Persönlichen ebenso in sich wie eine klare gesellschaftliche Haltung. Geprägt von ihrer Heimat Algier, arabischem Pop, Rock und Flamenco, hat Massi eine unverwechselbare musikalische Sprache entwickelt, die kulturelle und geografische Grenzen mühelos überschreitet.
An ihrer Seite steht der französisch-kongolesische Rapper Youssoupha – eine Begegnung, die bereits im Auftaktkonzert deutlich macht, wie weit das Festival den Begriff Jazz fasst.
Überhaupt gehört der Gesang zu den Schwerpunkten dieser Ausgabe. Die griechische Sängerin Savina Yannatou verbindet mediterrane Volksliedtraditionen mit Jazz und freier Improvisation, unterstützt von der tunesischen Sängerin Lamia Bedioui. Die albanisch-schweizerische Sängerin Elina Duni trifft auf den britischen Gitarristen Rob Luft und bewegt sich mit ihm zwischen Folk, Chanson und Jazz.
Mit Lizz Wright und Gregory Porter kommen zwei herausragende Stimmen des amerikanischen Jazz und Soul nach Rhein-Neckar. Während Wright Gospel, Blues und Jazz zu einer Musik von großer Ruhe und Intensität verbindet, besitzt Porter jene seltene Verbindung aus Wärme, erzählerischer Kraft und spiritueller Tiefe. Und mit Samara Joy präsentiert Enjoy Jazz eine der bemerkenswertesten Stimmen der jüngeren Jazzgeneration, die die Tradition des Genres mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit in die Gegenwart führt.

Delphine Joussein © Tim Dickeson

Delphine Joussein © Tim Dickeson


Jazz als individuelle Sprache

Ebenso prägend sind die zahlreichen Soloprojekte des Festivals. Nachdem 2025 die Duo-Formationen im Mittelpunkt standen, richtet Enjoy Jazz den Blick 2026 auf die besondere Intimität und Freiheit des solistischen Spiels.
Die spanische Musikerin Carme López verbindet galizischen Dudelsack, Gesang, ethnografische Forschung und experimentelle Klanggestaltung. Der amerikanische Pianist Jason Moran kehrt nach seinem gefeierten Soloauftritt von 2023 zurück und widmet sich dem Werk Duke Ellingtons. Der schwedisch-schweizerische Bassist Björn Meyer lotet die Möglichkeiten des E-Basses aus, während die französische Flötistin und Elektronikerin Delphine Joussein zwischen Free Jazz, Noise und elektronischen Klanglandschaften eigene musikalische Räume entstehen lässt.
Und am Ende des Festivals steht ein Musiker, der wie kaum ein anderer für die Kunst des musikalischen Erzählens steht: Brad Mehldau. Sein Soloabend am 7. November in der Heidelberger Stadthalle bildet den Abschluss von Enjoy Jazz 2026. Mehldau verbindet Jazz, Klassik und Pop, Improvisation und Komposition zu einer Musik, die ebenso intellektuell wie unmittelbar berühren kann.

Brad Mehldau © Yoshika Horita

Brad Mehldau © Yoshika Horita

Zwei Legenden, zwei Jubiläen
Ein weiterer Schwerpunkt gilt zwei Ikonen der Jazzgeschichte: Miles Davis und John Coltrane hätten 2026 ihren 100. Geburtstag gefeiert.
Davis steht wie kaum ein anderer für die Fähigkeit des Jazz, sich immer wieder neu zu erfinden. Coltranes Musik dagegen war von einer tiefen spirituellen und existenziellen Suche geprägt. Beide verkörpern eine Idee von Jazz als Musik der Freiheit – und beide wirken bis heute in die Gegenwart hinein.
Der Trompeter Theo Croker nähert sich dem Werk von Miles Davis mit einer persönlichen Hommage, während der Saxofonist Isaiah Collier die spirituelle Dimension Coltranes aufgreift. Begleitet wird dieser musikalische Blick zurück von dem amerikanischen Musikjournalisten Ashley Kahn, einem ausgewiesenen Kenner beider Künstler. Listening Session, Film und Gespräche erweitern die Konzerte um historische und musikalische Perspektiven.

Ahmed © Lisa Grip

Ahmed © Lisa Grip

Schönheit als Gespräch
Enjoy Jazz versteht sich in diesem Jahr nicht nur als Konzertfestival. Zum Thema „Beauty“ entstehen zusätzliche Formate, in denen Musik auf Philosophie, Schauspiel und gesellschaftlichen Diskurs trifft. Dazu gehören ein eigens für das Festival entwickelter Abend mit August Zirner und Katalin Zsigmondy, eine Live-Aufzeichnung der SWR-Kultur-Sendung „Forum“, die internationale Philosophie-Reihe „Sophia Club“ sowie Gespräche der Heidelberg Street Philosophy im Anschluss an ausgewählte Veranstaltungen.

Neue Verbindungen
Auch institutionell setzt Enjoy Jazz 2026 neue Akzente. Mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim beginnt eine langfristige Zusammenarbeit. Masterclasses mit Festivalmusiker:innen, das Antrittskonzert eines Professors und eine Carte Blanche für die Hochschule gehören bereits in diesem Jahr zum Programm. Ab 2027 soll die Hochschule jährlich eine Band für eine Headliner-Show des Festivals nominieren.
So richtet sich der Blick nicht nur zurück auf die Geschichte des Jazz, sondern zugleich nach vorn auf jene Musikerinnen und Musiker, die seine Zukunft gestalten werden.
2. Oktober bis zum 7. November 2026
https://enjoyjazz.de

Carme Lopez © Eva Pombo

Carme Lopez © Eva Pombo