Händels selten gespielte Oper „Ottone“ verbindet Heiratspolitik, Intrigen und historische Verwicklungen mit eleganten, innigen Arien – eine musikalische Wiederentdeckung an der Oper Frankfurt.
Eine Hochzeit soll Frieden stiften. Doch in Georg Friedrich Händels „Ottone“ ist sie vor allem der Ausgangspunkt für Intrigen, Täuschungen und verletzte Gefühle. Als der deutsche Kaiser Ottone die byzantinische Prinzessin Teofane heiraten will, scheint die Verbindung zweier mächtiger Häuser besiegelt. Doch hinter den höfischen Fassaden werden längst andere Pläne geschmiedet.
Teofane ist die eigentliche Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Ihre geplante Vermählung steht im Zentrum eines politischen Spiels, in dem kaum jemand nur seinen eigenen Gefühlen folgen kann. Gismonda versucht, ihren Sohn Adelberto auf den Thron zu bringen; andere Figuren verfolgen ihre eigenen Interessen. Bündnisse entstehen und zerbrechen, Wahrheiten werden verschwiegen, Identitäten verwechselt. Und während sich die Handlung immer weiter verästelt, erzählt Händels Musik von Menschen, die zwischen Pflicht, Begehren, Eifersucht und Hoffnung gefangen sind.

Monika Buczkowska-Ward © Rayfield Allied
Gerade hier entfaltet „Ottone“ seine besondere Qualität. Händel braucht keine spektakulären Massenszenen, um Spannung zu erzeugen. Seine eigentliche Dramatik steckt in den Arien: fein gearbeitet, elegant und oft von erstaunlicher Innigkeit. Gefühle werden nicht einfach ausgestellt, sondern musikalisch seziert. Ein Blick, ein Zweifel, ein plötzlich aufflammendes Begehren – alles bekommt seine eigene melodische Sprache.
Das Werk selbst hat eine bewegte Vorgeschichte. Händel griff auf ein Libretto von Stefano Benedetto Pallavicini zurück, das ursprünglich Antonio Lottis Oper „Teofane“ zugrunde lag. Historischer Ausgangspunkt war die Hochzeit des deutschen Kaisers Otto II. mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu. Händel begegnete Lottis Oper während seines Aufenthalts in Dresden. Aus diesen historischen Momenten entstand jedoch kein Geschichtsdrama, sondern eine kunstvoll erfundene Geschichte über Macht und menschliche Leidenschaften.
Als „Ottone“ 1723 am Londoner King’s Theatre uraufgeführt wurde, wurde die Oper zum grossen Publikumserfolg. Nach „Rinaldo“ gehörte sie zu Händels zu Lebzeiten am häufigsten gespielten Opern. Umso erstaunlicher, dass sie heute vergleichsweise selten auf den Spielplänen steht.
Die Oper Frankfurt holt dieses Werk nun aus dem Schatten. Václav Luks, Spezialist für die historische Aufführungspraxis des Barock, übernimmt die musikalische Leitung; die niederländische Regisseurin Jetske Mijnssen führt Regie. In der Titelpartie ist der Countertenor Yuriy Mynenko zu erleben, als Teofane Monika Buczkowska-Ward. Paula Murrihy, Iurii Iushkevich, Cecelia Hall und Jonas Müller vervollständigen das Ensemble.
Premiere: 11. Oktober 2026
Folgetermine: 18. und 24. Oktober, 1., 7., 12., 15. und 21. November 2026
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Yuriy Mynenko © Parnassus Arts Productions

